Teilprojekt 1 · Hans-Bernd Brosius
Videoplattformen
IndividualperspektiveTeilprojekt 2 · Christiane Eilders
Blognutzung
IndividualperspektiveTeilprojekt 3 · Gerhard Vowe und Marco Dohle
Einflusswahrnehmung
IndividualperspektiveTeilprojekt 4 · Marcus Maurer
Wissenklüfte
Individualperspektive Service-ProjektTeilprojekt 5 · Patrick Donges und Otfried Jarren
Politische Organisationen
OrganisationsperspektiveTeilprojekt 6 · Juliana Raupp
Media Relations
Organisationsperspektive Service-ProjektTeilprojekt 7 · Silke Adam and Barbara Pfetsch
Media Agenda-Building
GesellschaftsperspektiveInsgesamt besitzt die Forschergruppe sieben inhaltliche Teilprojekte, die sich dem Untersuchungsgegenstand aus drei Perspektiven annähern: Die Teilprojekte eins bis vier beschäftigen sich mit den Auswirkungen von Onlinemedien auf Individuen – beispielsweise auf politische Einstellungen und Verhaltensweisen. Die Teilprojekte fünf und sechs nehmen die Organisationsebene in den Blick und fragen, inwiefern sich politische und mediale Organisationen verändern – ob also zum Beispiel finanzielle oder personelle Ressourcen verstärkt in den Online-Bereich umgeschichtet werden. Das siebte Teilprojekt befasst sich mit der Makroperspektive und untersucht den von Onlinemedien ausgelösten Wandel auf Ebene der Gesellschaft. Die Zusammenarbeit der sieben Teilprojekte wird von der Heinrich-Heine-Universität aus koordiniert.
Teilprojekt 1:
Die Entstehung und Nutzung politischer Medienagenden auf YouTube und ihre Bedeutung für Jugendliche
Projektleiter: Prof. Dr. Hans-Bernd Brosius
Die Fragestellung des Teilprojekts lautet: Welche Konsequenzen haben Social-Network-Sites wie YouTube für Gatekeeping- und Agenda-Setting-Prozesse und damit für die Grundlagen des massenmedial vermittelten politischen Kommunikationsprozesses? Das Teilprojekt verfolgt in der ersten Projektphase das Ziel, anhand einer Inhaltsanalyse der Clipkarrieren politischer Videos auf YouTube sowie ihrer Bewertungen und Kommentierungen durch die Nutzer zu prüfen, wie Agenda-Setting-Prozesse im social web entstehen und welche politischen Vorstellungen sich auf dieser Grundlage bei den Nutzern festmachen lassen. Damit wird theoretisch ein Beitrag zur Weiterentwicklung und Zusammenführung von Ansätzen der Selektion und der Wirkung politischer Kommunikationsinhalte geleistet (Gatekeeping, Nachrichtenwerttheorie, Agenda-Setting-Ansatz).
Teilprojekt 2:
Einfluss der Blognutzung auf die Wahrnehmung öffentlicher Meinung und die Artikulationsbereitschaft
Projektleiterin: Prof. Dr. Christiane Eilders
Das Teilprojekt untersucht den Einfluss der Blognutzung auf die Wahrnehmung öffentlicher Meinung und die diskursrelevanten Verhaltenskonsequenzen dieser Wahrnehmungen. Ziel ist es, die Folgen einer durch die Online-Kommunikation fragmentierten Öffentlichkeit für die Beteiligung am politischen Diskurs zu untersuchen und damit Mikro- und Makroebene zu verbinden. Theoretische Basis sind auf Makroebene das Forumsmodell von Öffentlichkeit und auf Mikroebene die Theorie der Schweigespirale sowie der Ansatz zu Publikumsvorstellungen. Grundannahme ist, dass das Bild öffentlicher Meinung durch Mediennutzungsmuster bestimmt ist. Es wird geprüft, in welchem Maße eine durch Weblogs geprägte Mediennutzung zu Urteilsunsicherheiten und Fehlurteilen führt.
Teilprojekt 3:
Ursachen und Konsequenzen der Wahrnehmung politischer Einflüsse von Online-Medien
Projektleiter: Prof. Dr. Gerhard Vowe und Dr. Marco Dohle
Die Fragestellung dieses Teilprojekts lautet: Welcher politische Einfluss wird welchen Online-Medien von wem unterstellt, auf welche Ursachen ist das zurückzuführen und welche Konsequenzen hat dies für politische Vorstellungen, Einstellungen und Verhaltensweisen? Das Teilprojekt verfolgt das Ziel, durch Ermittlung der politischen Bedeutung, die Online-Medien im Vergleich zu traditionellen Medien zugeschrieben wird, und der politischen Folgen dieser Zuschreibung einen Beitrag zur Theorie der subjektiven Seite des Wandels der politischen Kommunikation zu leisten – in Form eines Erklärungsmodells und angemessener Methodik. Theoretische Basis bilden vor allem Ansätze zu indirekten Medienwirkungen (Third-Person-Effect und Influence-of-Presumed-Media-Influence).
Teilprojekt 4:
Digitale Wissensklüfte. Politische Informationsvermittlung und Wissenserwerb in der Online-Welt
Projektleiter: Prof. Dr. Marcus Maurer
Wie vermitteln mediale und politische Online- und Offline-Informationsquellen politische Informationen, wie verändert sich dies im Zeitverlauf und welche Konsequenzen hat es für Wissen und Einstellungen der Rezipienten? Durch die Beantwortung dieser Fragen soll ein Beitrag zur Theorie der Mediatisierung der politischen Kommunikation geleistet werden – ihren Voraussetzungen (konkurrierende Angebote), ihres Verlaufs (Informationsvermittlung) und ihrer Folgen für die Gesellschaft (Wissenserwerb). Darüber hinaus erfüllt das Teilprojekt eine Servicefunktion für andere Teilprojekte, indem es Daten zu den Inhalten von Online- und Offline-Medien zur Verfügung stellt. Das TP verbindet Theorien aus der Medieninhaltsforschung mit Theorien aus der Rezeptions- und Wirkungsforschung.
Teilprojekt 5:
Folgen des strukturellen Wandels der politischen Kommunikation für das intermediäre System
Projektleiter: Prof. Dr. Patrick Donges und Prof. Dr. Otfried Jarren
Das Teilprojekt verfolgt die Fragestellung, inwieweit Organisationen in den Feldern Gesundheits- und Umweltpolitik einen Medienwandel wahrnehmen, wie sie ihre organisatorischen Strukturen und Kommunikationsangebote verändern, und welche politischen Folgen dies für das intermediäre System der Interessenvermittlung hat. Das Ziel ist die Erarbeitung einer Theorie, mit der der strukturelle Wandel politischer Kommunikation auf der Ebene von Organisationen und seine Folgen für Politikfelder analysiert werden können. Theoretische Basis bilden Konzepte wie der Neo-Institutionalismus, die Medienwandel als institutionellen Wandel in der Umwelt politischer Organisationen beschreiben. Daneben wird auf Theorien kollektiven Handelns zurückgegriffen, um die Herausbildung neuer Intermediäre erklären zu können.
Teilprojekt 6:
Media Relations Online: Politisch-mediale Kommunikationsnetzwerke unter Online-Bedingungen
Projektleiterin: Prof. Dr. Juliana Raupp
Das Teilprojekt fragt nach den Veränderungen in den Media Relations infolge des technologisch induzierten Medienwandels. Wie verändern sich die Strukturen der politisch-medialen Kommunikationsnetzwerke unter Online-Bedingungen? Und wie verändern sich die Prozesse der Interaktion zwischen den Akteuren? Ziel des Teilprojekts ist es, ein netzwerkanalytisch begründetes Modell der Media Relations zu entwickeln, das es ermöglicht, Struktur und Dynamiken im politisch-medialen Kommunikationsnetzwerk zu erfassen. Den theoretischen Kern bilden die Soziale Netzwerkanalyse und interaktionstheoretische Ansätze zum Zusammenspiel von Journalismus und strategischer Politikvermittlung.
Teilprojekt 7:
The impact of challengers’ online communication on media agenda-building – a comparison across countries and issues.
Projektleiterinnen: Prof. Dr. Silke Adam and Prof. Dr. Barbara Pfetsch
Das Teilprojekt befasst sich mit der Frage: „Unter welchen Bedingungen beeinflusst die Online-Kommunikation politischer zivilgesellschaftlicher Gruppen die mediale (politische) Agenda?“ Dabei liegt der Fokus auf den Partizipationsmöglichkeiten zivilgesellschaftlicher Gruppen und ihrer Chance, Themenfelder und Meinungen auf die Agenden von Journalisten, Politikern und der breiten Öffentlichkeit zu setzen. Basierend auf dem Agenda-Building Ansatz geht das Projekt davon aus, dass zivilgesellschaftliche Gruppen insbesondere dann ihr demokratisches Potenzial entfalten können, wenn die Online-Kommunikation in ihren Themennetzwerke von den traditionellen Medien aufgenommen wird und in die öffentliche politische Debatte einfliesst. Insbesondere geht das Projekt davon aus, dass die Charakteristika der Onlinethemennetzwerke – wie z. B. dominante Verbindungen, Frame-Stärke und Art des Framesponsors – die Wahrscheinlichkeit eines Durchbruchs in die traditionellen Medien positiv beeinflussen. Das empirische Forschungsprogramm besteht darin, themenspezifische Online-Netzwerke daraufhin zu analysieren, unter welchen Voraussetzung ihre Themen und Frames in den traditionellen Printmedien erscheinen.