„Wirkungen von Vermutungen über Wirkung und Nutzung.
Ursachen und Konsequenzen der Wahrnehmung des politischen Einflusses und der politischen Nutzung von Online-Medien“

Forschungsprojekt, gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)

im Rahmen der Forschergruppe 1381 „Politische Kommunikation in der Online-Welt”

Untersuchungsgegenstand und Forschungsfragen

Welche politische Bedeutung Online-Medien haben, ist umstritten. Häufig wird ihnen ein starker Einfluss vor allem auf jüngere Menschen zugeschrieben. Eine solche Vermutung ist beispielsweise der Grund dafür, dass die Parteien im Bundestagswahlkampf 2013 einen größeren Teil ihres Budgets als früher für den Online-Wahlkampf reserviert haben. Dies zeigt, dass bereits Vermutungen über Medieneinflüsse politisch relevante Konsequenzen haben – unabhängig davon, in welchem Maße sie zutreffen. Um derartige Vermutungen und ihre Folgen geht es in diesem Forschungsvorhaben.

In dem von Gerhard Vowe und Marco Dohle geleiteten Projekt wird diese subjektive Seite des Zusammenhangs von Medienwandel, Wandel der politischen Kommunikation und politischem Wandel thematisiert. Im Mittelpunkt stehen folgende Fragen: Welcher politische Einfluss und welche politische Nutzung werden welchen Online-Medien von wem unterstellt? Und: Auf welche Ursachen ist das zurückzuführen und welche Wirkungen hat dies auf politische Vorstellungen, Einstellungen und Verhaltensweisen?

Die theoretische Grundlagen des Projekts bilden in erster Line der Third-Person-Effekt, der Influence-of-Presumed-Media-Influence-Ansatz und andere Ansätze, die sich mit Wahrnehmungsprozessen im Kontext der Medienrezeption befassen.

 

Forschungsprogramm

Der wahrgenommene Einfluss und die wahrgenommene Nutzung von (Online-)Medien sowie die daraus resultierenden Konsequenzen sollen im Längsschnitt erfasst werden. Dieses Vorgehen ist geboten, da mit Online-Medien ein überaus dynamischer Medienbereich untersucht wird. Es ist zu erwarten, dass sich Veränderungen im Angebot, in Partizipationsformen, in technischen Möglichkeiten und in der Zuwendung der Nutzer ergeben werden. Offen ist, ob dies Auswirkungen auf die Wahrnehmungen und daraus folgende Konsequenzen haben wird. Um dies zu ermitteln, ist eine Paneluntersuchung in zwei Befragungswellen erforderlich.

Insbesondere ist von Interesse, ob sich die Einfluss- und Nutzungszuschreibungen bei verschiedenen Personengruppen unterscheiden. Im Fokus der Untersuchung stehen drei Akteursgruppen der politischen Kommunikation: Bürger, Politiker und politische PR-Akteure. Diese Personen sollen zum einen angeben, wie stark sie sich selbst politisch von (Online-)Medien beeinflusst wahrnehmen und wie sie (Online-)Medien selbst für politische Zwecke nutzen. Zum anderen sollen sie den Einfluss auf und die Nutzung durch andere Vertreter der jeweils eigenen Gruppe und die Vertreter der jeweiligen anderen Gruppen einschätzen.

Die zugeschriebenen politischen Einflüsse und die zugeschriebene politische Nutzung werden differenziert abgefragt nach verschiedenen Online-Medien (Informationsportale, Soziale Netzwerke, Weblogs, Parteiwebsites etc.) – stets im Vergleich zur unterstellten Wirkung und Nutzung klassischer Medien wie Fernsehen oder Tageszeitungen. Dabei wird eine Reihe intervenierender Variablen und Kontrollvariablen berücksichtigt (etwa Spezifika einzelner Online-Medien, die eigene Mediennutzung, die Einschätzung traditioneller Medien, die Einschätzung der Glaubwürdigkeit von Online-Medien oder das politische Interesse und Engagement).

Es wird geprüft, wie sich die Einfluss- und Nutzungswahrnehmung im Zusammenspiel mit diesen Variablen auswirkt beispielsweise auf die politische Partizipation und Kommunikation, die wahrgenommene Wirksamkeit des eigenen politischen Engagements oder auf die Zustimmung zu Maßnahmen, das Internet zu regulieren. Insbesondere wird untersucht, in welchem Maße sich die eigene politische (Online-)Mediennutzung an Annahmen über die Einflüsse auf Andere und über die Nutzung von (Online-)Medien durch Andere orientiert. Individuen könnten zum Beispiel Vorstellungen über die politischen Nutzungsstile der Anderen entwickeln und ihr eigenes Verhalten daran orientieren (Konformität).

Es ist vorgesehen, solche Zusammenhänge nicht nur im politischen Routinefall, sondern auch in einer internationalen Konfliktsituation zu untersuchen: In einer Befragung deutscher und griechischer Bürger sollen Wahrnehmungen von Medieneinflüssen auf und von Mediennutzung durch die jeweils andere Bevölkerung sowie Wahrnehmungskonsequenzen im Kontext der Eurokrise untersucht werden.

 

Fortsetzung einer ersten Projektphase

Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt (2014-2017) und knüpft unmittelbar an eine vorhergehende erste Projektphase an. Im Kern dieser ersten Projektphase (2011-2014) stand eine zweiwellige Panelbefragung von Bürgern, Journalisten und Politikern. In zwei Spezialstudien wurden zudem Bevölkerungsumfragen zu konkreten politischen Ereignissen durchgeführt. Sowohl in der Panelbefragung als auch in den Spezialstudien standen die Wahrnehmung des politischen Einflusses verschiedener On- und Offline-Medien sowie die Folgen dieser Wahrnehmung im Mittelpunkt.

In der aktuellen zweiten Projektphase sollen Forschungslücken geschlossen werden, die sich aus dem Forschungsstand und den Vorarbeiten der ersten Projektphase ergeben. Inhaltlich sind vor allem zwei Veränderungen gegenüber der ersten Phase zentral: Erstens rückt in der zweiten Projektphase die politische Nutzung von Online-Medien stärker in den Fokus. Zweitens werden politische PR-Akteure anstelle von Journalisten befragt, zu denen in der ersten Projektphase hinreichend Daten erhoben wurden.

 

Teil einer Forschergruppe

Das Projekt ist eines der sieben Teilprojekte der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierten Forschergruppe 1381 „Politische Kommunikation in der Online-Welt“ (www.fgpk.de). Dieser Verbund aus deutschen und schweizerischen Kommunikationswissenschaftlern geht der Frage nach, wie sich die politische Kommunikation zwischen Bürgern, politischen Organisationen und Medien durch Online-Medien verändert. Daran schließt sich die Frage an, welche politischen Folgen dieser Wandel hat, etwa für die Mobilisierungsfähigkeit politischer Gruppen oder für das Tempo des Themenwechsels in der öffentlichen Diskussion.

Den Rahmen für die Beantwortung dieser Frage bildet ein Modell, in dessen Mittelpunkt der Wandel der politischen Kommunikation steht strukturelle Veränderungen der Kommunika-tionsbeziehungen zwischen den Akteursgruppen Bürgerschaft, politische Organisationen und Medienorganisationen in sozialer, inhaltlicher, zeitlicher und räumlicher Hinsicht. Eine der Voraussetzungen ist der Medienwandel – die Erweiterung des gesellschaftlichen Medienrepertoires durch Nutzung der Potentiale des Internets in öffentlicher, teil-öffentlicher und nicht-öffentlicher Kommunikation. Der Wandel der politischen Kommunikation hat politisch relevante Folgen zum Beispiel für politische Einstellungen oder für die Strukturen politischer Organisationen und trägt so zum politischen Wandel bei.

 

Kontakt

 

Prof. Dr. Gerhard Vowe

Heinrich-Heine-Universität

Düsseldorf

Kommunikations- und
Medienwissenschaft I

Universitätsstraße 1

D-40225 Düsseldorf

Tel.: +49 (0)211/81-14014

Fax: +49 (0)211/81-11929

E-Mail: vowe@uni-duesseldorf.de

 

Dr. Marco Dohle

Heinrich-Heine-Universität

Düsseldorf

Kommunikations- und

Medienwissenschaft I

Universitätsstraße 1

D-40225 Düsseldorf

Tel.: +49 (0)211/81-14068

Fax: +49 (0)211/81-11929

E-Mail: marco.dohle@phil.uni-duesseldorf.de

Dr. Uli Bernhard

Heinrich-Heine-Universität

Düsseldorf

Kommunikations- und

Medienwissenschaft I

Universitätsstraße 1

D-40225 Düsseldorf

Tel.: +49 (0)211/81-12653

Fax: +49 (0)211/81-11929

E-Mail: bernhard@phil.uni-duesseldorf.de

 

Mehr Informationen: www.fgpk.de

Publikationen und Vorträge: www.bib-polok.de