Im Frühjahr 2011 hat die Forschergruppe „Politische Kommunikation in der Online-Welt“ ihre Arbeit aufgenommen – als erste DFG-Forschergruppe in der Kommunikationswissenschaft und als erste zu Problemen der politischen Kommunikation. Sie setzt sich aus sieben Teilprojekten zusammen und verbindet zehn Kommunikationswissenschaftler aus Deutschland und der Schweiz. Sie hat für die interne und externe Orientierung ein Mission Statement formuliert.
Im Mittelpunkt steht die Forschung. Zentrales Ziel ist die systematische Suche nach Antworten auf die leitende Frage der Forschergruppe: Wie verändert sich nachweislich die politische Kommunikation durch Online-Medien und welche politischen Folgen hat das?
Die Forschergruppe beantwortet diese Frage durch empirische Projekte, in denen theoretische Ansätze der politischen Kommunikationsforschung im Feld der Online-Medien geprüft und modifiziert werden. Durch die Integration dieser Teilprojekte will die Forschergruppe in mehreren Schritten zu einer modularisierten Theorie der politischen Online-Kommunikation gelangen. Dafür sollen einzelne Theorie-Bausteine zu einem empirisch geprüften Erklärungsmuster kombiniert werden. Vor allem geht es darum, Mikro-, Meso- und Makroperspektive zu verknüpfen. Letztendlich hat die Forschergruppe die Aufgabe, im Rahmen einer solchen Theorie aufzuklären, in welchem Maße politische Veränderungen auf den Medienwandel zurückzuführen sind. Damit trägt sie dazu bei, die Position der deutschen Kommunikationswissenschaft in der internationalen Wissenschaftskommunikation zu stärken.
Die Forschergruppe ist einer der Orte, an denen der Nachwuchs für die internationale politische Kommunikationsforschung ausgebildet wird – in Form von Promotionen und Habilitationen. Die Qualifikation vollzieht sich vor allem in der empirischen Forschung der einzelnen Projekte. Zusätzlich wird ein Qualifikationsprogramm angeboten, das an die Bedingungen regionaler Verteilung angepasst und auf den Bedarf der Promovenden abgestimmt ist.
Zusätzlich entwickelt die Forschergruppe in und mit ihrer Arbeit ein Muster für die Organisation kooperativer Forschung unter den Bedingungen regional verteilter Kapazitäten – als einem Prototyp für Verbundforschung in kleinen Fächern. Daraus sollen Schlussfolgerungen für die Forschungsorganisation erwachsen.
Eine Integration in sechs Dimensionen ist der Weg zum Ziel, den die Forschergruppe unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen und der forschungsethischen Werte eingeschlagen hat. In jeder dieser Integrationen sieht sie Entwicklungschancen für die einzelnen Projekte und für die Forschergruppe insgesamt.
Die Forschergruppe hat ihre Integrationsstrategie in ein Programm übersetzt, das die Zielerreichung in zwei Phasen vorsieht.
In der Phase der Theorieerprobung 2011 – 2014 wird die Forschergruppe prüfen, ob die klassischen theoretischen Ansätze der Kommunikationswissenschaft und angrenzender Wissenschaften tauglich sind für die Analyse der Online-Welt. Sie wird Theorien, Methoden und empirische Ergebnisse in einem Inventar dokumentieren und dabei die Verbindungen zwischen den analytischen Elementen deutlich machen.
Sie wird gegen Ende dieser ersten Phase ihre Arbeit vor allem in projektspezifischen Publikationen und Beiträgen zu internationalen Konferenzen dokumentieren. Sie wird außerdem zeigen können, dass die Qualifikationsarbeiten auf einem guten Wege sind. In drei Jahren sieht sich die Forschergruppe also an einem Punkt, an dem sie in den Teilprojekten und als Verbund ihre Zeit erkennbar gut genutzt hat. Dies wird sie zwischenzeitlich auf ihren jährlichen internen Tagungen überprüfen, die als Meilensteine fungieren. Zum Abschluss dieser Phase wird sich die Forschergruppe zwischen Oktober 2013 und März 2014 der Begutachtung ihrer Arbeit stellen, auf deren Grundlage über die Fortsetzung bis 2017 entschieden wird.
Am Ende der zweiten Phase, der Phase der Theoriebildung 2014 – 2017, wird die Idee der modularisierten Theorie der politischen Kommunikation konkretisiert und substantiiert sein. Das setzt nicht nur voraus, dass die Arbeit der einzelnen Teilprojekte abgeschlossen werden kann und in Aufsätzen und Qualifikationsarbeiten dokumentiert ist. Darüber hinaus ist es erforderlich, die vielfältigen Einzelergebnisse zu einem Gesamtbild der politischen Online-Kommunikation zusammenzubinden. Damit können empirisch begründete Antworten auf die leitende Fragestellung gegeben werden. Auf Grundlage einer grundlegenden Evaluation der Forschungsorganisation kann dann auch beurteilt werden, in welchem Verhältnis Aufwand und Ertrag bei dieser Form der Organisation von Forschung stehen.
Im Frühjahr 2017 wird zu entscheiden sein, ob und wie die Arbeit der Forschergruppe fortzusetzen ist. Grundsätzlich sieht sich die Forschergruppe auch über 2017 hinaus als einen Kern kooperativer Verbundforschung. Zwischen der ersten und der zweiten Phase wird diese Perspektive zu konkretisieren sein.