Politische Online-Kommunikation. Voraussetzungen, Facetten und Folgen des strukturellen Wandels politischer Kommunikation

Worum geht es?

Die Dynamik der Online-Medien ist ungebrochen: Ihr Spektrum erweitert sich und birgt mit neuen Funktionalitäten ein Innovationspotential, das auch politisch genutzt wird und damit einen starken Veränderungsdruck auf die Akteure und Strukturen politischer Kommunikation ausübt. Der Stellen-wert von Web 1.0- und Web 2.0-Angeboten für die politische Kommunikation ist merklich gestiegen. Sie sind zum festen Bestandteil von Wahlkämpfen und anderen Kampagnen geworden und aus der alltäglichen politischen Information und Kommunikation nicht mehr wegzudenken. Für Bürger, professionelle Kommunikatoren, Interessenvertreter und Politiker entstehen neue Möglichkeiten der internen und externen Kommunikation mit erheblichen Chancen und Risiken. Diese Veränderungen erfassen alle politischen Räume, von der lokalen bis zur globalen Ebene. Und sie berühren alle Sphären der Öffentlichkeit, von organisationsinternen bis zu allgemein beobachtbaren Kommunikationsprozessen. Die spezifische Logik der Online-Medien beginnt, die politische Kommunikation zu prägen.
Daraus ergibt sich insgesamt ein grundlegender und tiefgreifender, also struktureller Wandel der politischen Kommunikation – mit Folgen für das politische System, die Medien und die Gesellschaft als Ganzes. Dieser Wandel ist mindestens ebenso brisant wie frühere tiefgreifende Veränderungen der politischen Kommunikation, etwa die Herausbildung der frühbürgerlichen Öffentlichkeit oder deren Entwicklung zu einer modernen Öffentlichkeit, die durch Massenpresse und Rundfunk geprägt wurde.

Welche Schwerpunkte werden gesetzt?

Der Wandel wirft vor allem vier Fragen von zentraler Bedeutung auf, für deren Beantwortung politische Kommunikationsforschung erforderlich ist. Sie hat zu klären, (1) welche Voraussetzungen für den strukturellen Wandel politischer Kommunikation zu identifizieren sind, (2) welche Facetten der Wandel zeigt, (3) welche politischen Folgen dieser Wandel hat und (4) welche Methodik der Untersuchung angemessen ist. Antworten aus der Politikwissenschaft und aus der Kommunikationswissenschaft mit theoretischem, empirischem oder methodischem Fokus sollen auf der Tagung präsentiert und diskutiert werden. Dementsprechend wird die Tagung vier Schwerpunkte setzen.

Schwerpunkt 1: Voraussetzungen für den Wandel politischer Kommunikation
Auf welchen Bedingungen basiert der strukturelle Wandel? Von welchen Faktoren wird die Entwicklung vorangetrieben, von welchen gehemmt? Wie ist der strukturelle Wandel zu erklären?
Hier ist in erster Linie der Medienwandel in Form der Digitalisierung zu nennen, der in vielfältiger Form die politische Kommunikation vor Herausforderungen stellt. In der medientechnischen Entwicklung und insbesondere in der Konvergenz von Kommunikationsformen liegen Potentiale, die auch für Zwecke der politischen Kommunikation genutzt werden können. Offen ist, wovon es abhängt, ob und wie diese Potentiale politisch genutzt werden. Neben der Digitalisierung sind noch weitere Faktoren zu nennen, die als Voraussetzungen des Wandels fungieren, vor allem soziale, politische, rechtliche, kulturelle und ökonomische Bedingungen. Von diesen Bedingungen hängt es ab, wie der strukturelle Wandel sich ausformt. Um das Gewicht der verschiedenen Bedingungen für die Veränderungen in der politischen Kommunikation zu prüfen, sind beispielsweise Ländervergleiche sehr sinnvoll. Zu diesem Schwerpunkt sind folglich Beiträge gefragt, die aufzeigen, wovon der Wandel politischer Kommunikation abhängt.
Insgesamt soll durch die Vorträge deutlich werden, wie komplex das Gewebe der Voraussetzungen für den Wandel ist.

Schwerpunkt 2: Facetten des Wandels politischer Kommunikation
Wie verändert sich die politische Kommunikation unter den Bedingungen einer Online-Welt? In welchem Verhältnis stehen die massenmediale, die über soziale Netzwerkseiten vermittelte und die direkte politische Kommunikation? Welche Unterschiede zeigen sich in den Veränderungen – zwischen Nationen, zwischen Politikfeldern, zwischen politischen Kontexten?
Besonders deutlich werden die vielen Facetten des Wandels, wenn politische Kommunikation aus unterschiedlichen Perspektiven gesehen wird: Eingeladen sind Beiträge aus einer Individualperspektive (Mikro-Ebene), in denen es um Veränderungen des politischen Kommunikationsverhaltens und der Einstellungen zu politischer Kommunikation geht; ebenso willkommen sind Beiträge aus einer Organisationsperspektive (Meso-Ebene), in denen es um kommunikationsbezogene Veränderungen der Strukturen und Leistungen medialer und politischer Organisationen geht, und aus einer Gesellschaftsperspektive (Makro-Ebene), in denen es um Veränderungen der Agenden, der Regelwerke für politische Kommunikation und der Konstellationen von politischen Kommunikationsakteuren geht. Bei der Analyse des Wandels auf diesen Ebenen kann der Fokus auf Inhalten, Akteuren, Prozessen und Formen politischer Kommunikation liegen.
Insgesamt soll durch die Vorträge ein facettiertes Bild des strukturellen Wandels gewonnen werden.

Schwerpunkt 3: Politische Folgen des Wandels politischer Kommunikation
Welche politischen Folgen hat der strukturelle Wandel politischer Kommunikation? Welche politische Relevanz kommt dem Wandel politischer Kommunikation zu? Wie wirken sich Veränderungen der politischen Kommunikation nachweislich politisch aus?
Auch bei der Analyse von Wirkungen der politischen Kommunikation kann unterschieden werden zwischen den Wirkungen auf der Mikroebene (Veränderungen von individuellen politischen Einstellungen und Verhaltensweisen wie der Wahlteilnahme), Wirkungen auf der Mesoebene (Veränderungen von Programmatiken und Entscheidungsprozessen politischer Organisationen) und Wirkungen auf der Makroebene (Veränderungen der kollektiv bindenden Entscheidungen und der Kräfteverhältnisse). Dabei ist zu prüfen, welcher politische Stellenwert den Veränderungen politischer Kommunikation zukommt – auch im Vergleich zu komplementären oder konkurrierenden Faktoren wie den rechtlichen Grenzen oder den ökonomischen Ressourcen. Letztlich soll klarer werden, welchen Einfluss die Darstellung von Politik (und ihrer Veränderung) auf die Herstellung von Politik hat (und auf ihre Veränderung). Zu diesem Schwerpunkt sind Beiträge gefragt, die etwa thematisieren, ob die gestiegene Volatilität von Wahlentscheidungen auf die Diffusion von Online-Medien zurückzuführen ist; oder in welchem Maße die Durchsetzungsfähigkeit von Gruppen in politischen Konflikten auf das Ausmaß ihrer Online-Affinität zurückzuführen ist. Auch hier wäre eine vergleichende Perspektive heuristisch sehr ergiebig.
Insgesamt soll sich so ein differenziertes Bild der politischen Relevanz des Kommunikationswandels ergeben.

Schwerpunkt 4: Methodische Herausforderungen und Möglichkeiten
Wie kann der Wandel angemessen untersucht werden? Sind die klassischen Instrumente und Verfahren noch leistungsfähig genug? Welche methodischen Innovationen sind in der Kommunikationsforschung insgesamt angenommen worden, welche in der Politikforschung insgesamt, und welche in der Schnittmenge, der politischen Kommunikationsforschung?
Beiträge zu diesem Schwerpunkt können einerseits die methodischen Herausforderungen durch den strukturellen Wandel aufzeigen, andererseits aber auch zeigen, wie der Wandel der Kommunikation auch Möglichkeiten für Analysen bietet, die vorher nicht gegeben waren (z.B. data mining). So ist zu prüfen, wie durch Inhaltsanalysen individualisierte politische Medieninhalte erfasst und untersucht werden können. Oder wie groß die Chance ist, durch die Analyse großer Datenmengen politisches Kommunikationsverhalten mit hinreichender Wahrscheinlichkeit vorherzusagen. Beiträge können sich aber auch darauf konzentrieren, die problematischen Aspekte dieser methodischen Innovationen zu thematisieren. Stichworte dafür sind Datenschutz, Intransparenz von Verfahren oder Verengung des Blickwinkels von Forschung.
Insgesamt soll erkennbar werden, wie in methodischer Hinsicht weiter verfahren werden soll.

Wie sollen Beiträge eingereicht werden?

Orientieren Sie sich bei der Konzeption Ihres Vortrags bitte auf eine Vortragsdauer von 20 Minuten mit anschließender Diskussion. Ihren Vorschlag reichen Sie in Form eines aussagekräftigen Extended Abstracts (Umfang: 800 ‐ 1.000 Wörter, exklusive Literaturverzeichnis und ggf. Anhang) in elektronischer Form (doc, rtf; kein pdf) unter kommpol2015@fgpk.de ein.

Einsendeschluss ist Mittwoch, der 15. Oktober 2014

Ihr Beitrag darf in dieser Form noch nicht publiziert oder auf einer wissenschaftlichen Tagung präsentiert worden sein. Dies ist auf einem Deckblatt in einer separaten Datei ausdrücklich zu erklären. Auf dem Deckblatt sind außerdem der Vortragstitel, Ihr/e Name/n, Ihre institutionelle Zugehörigkeit, Ihre Kontaktdaten und die Zuordnung zu einem der vier Schwerpunkte aufzuführen. Ansonsten entfernen Sie bitte jegliche Angaben aus dem Textdokument und seinen Meta-Daten, anhand derer Sie identifiziert werden könnten. Dies dient der anonymisierten Begutachtung Ihrer Einreichung.

Wie werden die Vorträge ausgewählt?

Die Vorschläge werden in einem Double‐Blind‐Peer‐Review begutachtet. Für die Auswahl der Vorträge gelten die in der DVPW und DGPuK üblichen fünf Kriterien: Bezug zum Tagungsthema, Güte der theoretischen Fundierung, Relevanz der Fragestellung, Angemessenheit der Vorgehensweise sowie Klarheit und Prägnanz der Darstellung. Die Ergebnisse des Reviews werden bis Ende November 2014 bekannt gegeben. Die Tagungsorganisatoren behalten sich vor, bei der Auswahl der Beiträge auch die Gesamtkonzeption der Tagung zu berücksichtigen und zu einzelnen Kernproblemen gezielt Vortragende einzuladen. Es ist geplant, einen Teil der Beiträge in einem Tagungsband oder in einer Fachzeitschrift zu veröffentlichen.

Wo und wann findet die Tagung statt?

Die Tagung wird am Donnerstag, dem 19. Februar 2015, mit einer öffentlichen Abendveranstaltung und anschließendem Get-Together beginnen und am Samstag, dem 21. Februar, gegen Mittag en-den. Die Tagung findet im Haus der Universität am Rande der Düsseldorfer Altstadt statt.

Wer ist verantwortlich?

AK Politik und Kommunikation (DVPW)
Prof. Dr. Stefan Marschall stefan.marschall@uni‐duesseldorf.de
PD Dr. Jens Tenscher jens.tenscher@wiso.uni-hamburg.de

FG Kommunikation und Politik (DGPuK)
Dr. Katharina Kleinen-von Königslöw katharina.kleinen@univie.ac.at
Prof. Dr. Mike S. Schäfer m.schaefer@ipmz.uzh.ch

FG Politische Kommunikation (SGKM)
Prof. Dr. Marlis Prinzing m.prinzing@das-rote-sofa.de

Lokale Veranstalter
Prof. Dr. Gerhard Vowe vowe@uni-duesseldorf.de
Philipp Henn, M.A. henn@phil.uni-duesseldorf.de
Dennis Frieß, M.A. dennis.friess@phil.uni-duesseldorf.de