29. Oktober 2014

IT-Gipfel 2015: Klaus Mainzer im Gespräch über Industrie 4.0


Der Wissenschaftsphilosoph Klaus Mainzer spricht im Interview mit tagesschau.de über Industrie 4.0 und kommentiert die neuen Entwicklungen. Mainzer wird auch bei der gemeinsamen Jahrestagung 2015 der Fachgruppe „Kommunikation und Politik“ der DGPuK, des Arbeitskreises „Politik und Kommunikation“ der DVPW und der Fachgruppe „Politische Kommunikation“ der SGKM die Keynote-Speech halten.

Am 21. Oktober fand in Hamburg der 8. Nationale IT-Gipfel 2014 statt. Die Veranstaltung stand in diesem Jahr unter dem Motto „Arbeiten und Leben im digitalen Wandel – gemeinsam.innovativ.selbstbestimmt“. Ziel dieses von der Bundesregierung initiierten Gipfels ist die Auseinandersetzung und Diskussion aktueller Themen und Herausforderungen der „Digitalen Agenda 2014-2017“. Unter anderem befasste sich eine der Arbeitsgruppen mit der sogenannten Industrie 4.0. Der Wissenschaftsphilosoph Klaus Mainzer beschreibt im Interview mit tagesschau.de was das eigentlich genau ist und geht auch auf die neuen damit verbundenen Herausforderungen ein.

„Bei Industrie 4.0 sprechen wir von einem Internet der Dinge. Das Internet, das wir alle kennen und nutzen, ist ein Computernetz, bei dem Personen miteinander kommunizieren. Bei der Industrie 4.0 kommunizieren aber die Dinge miteinander, beispielsweise über RFID-Chips und Sensoren. Das Werkstück kommuniziert beispielsweise mit der Werkbank, teilt über einen Chip seinen Bearbeitungszustand mit, und dann wird automatisch das passende Roboterfahrzeug heranbeordert.“

Zu finden sei diese Art der „on demand“ und auf den individuellen Kundengeschmack angepasste Produktion bereits in der Automobilindustrie, so Mainzer. Auch, dass Systeme noch stärker autonom arbeiten und selbstständig Entscheidungen treffen sei bereits in der Realität zu finden, wie beispielsweise im Hochfrequenzhandel der Banken. Mainzer weist jedoch auch darauf hin, dass „die Menschen weiterhin mit ihrer Urteilskraft gebraucht werden“ und künstliche Intelligenz diese nicht ersetzen könne. Arbeitslosigkeit hingegen befürchtet der Wissenschaftsphilosoph durch diese neuen Entwicklungen nicht.

„Allerdings werden sich die Anforderungen ändern. Die Innovationszyklen sind schon jetzt in vielen Bereichen schneller als unsere Ausbildungszyklen. (…) Deswegen müssen wir die Fähigkeit des Menschen ausbilden, sich in neue Arbeitsprozesse einzuarbeiten und sich auf neue Situationen einzustellen. Ich denke, es wird in Zukunft absolut zur Normalität gehören, dass ein Teil der Mitarbeiter immer in Lehrgängen und Fortbildungen sein wird, um sich auf neue Abläufe vorzubereiten.“

Gefahren sieht Mainzer hingegen an anderer Stelle und spricht damit ein hochaktuelles Thema auch außerhalb der Industrie an:

„Die Datensicherheit ist momentan die Schattenseite dieser Technologie, insbesondere auch die der Mitarbeiter. Denn die Industrie 4.0 produziert gewaltige Datenmengen: Die Automatisierung der Arbeitsprozesse ist nur möglich, weil unzählige Sensoren, Kameras und Lichtschranken Arbeitsvorgänge und Bewegungsabläufe aufnehmen, auch die von menschlichen Mitarbeitern. Die Gefahr ist, dass hier durch Algorithmen Persönlichkeitsprofile erstellt werden können, die man für alle möglichen Zwecke missbrauchen kann. (…) Hier gibt es erheblichen Regelungsbedarf und unsere Juristen hecheln der Entwicklung hinterher. Das ist die große ethische Herausforderung bei der Industrie 4.0.“

Mainzer resümiert letztlich:

„Wir dürfen uns nicht von der Technik abhängig machen. Wir müssen lernen, Abstand zu den technischen Geräten und auch zur Onlinewelt zu gewinnen. Nur so lernen wir auch die Grenzen dieser Technologien richtig einzuschätzen.“

Klaus Mainzer hält am 20.02.2014 in Düsseldorf im Rahmen der Fachgruppentagung zum Thema „Politische Online-Kommunikation. Voraussetzungen und Folgen des strukturellen Wandels der politischen Kommunikation“ die Keynote-Speech. Das vorläufige Programm der Tagung wird Mitte November bekanntgegeben.


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