24. Oktober 2013

Wer ist präsent? – Auftritte von Politikern und Parteien in Sozialen Medien


Es gibt zwei zentrale Fragen, die sich im Hinblick auf die Social Media Nutzung in der Politischen Kommunikation aufdrängen. Die erste Frage nach der Aktivität wurde in dem News-Artikel vom 7. Oktober 2013 behandelt. Der zweiten Frage wendet sich dieser Artikel zu: Wer ist eigentlich präsent im Social Web und welche Partei hat dabei die Nase vorn?

Eine solche quantitative Bestandsaufnahme davon welche Politiker und Parteien Profile anlegen und welche verschiedenen Plattformen von wem genutzt werden stellt die Basis für zahlreiche weiterführende Fragen und Untersuchungen dar. Zunächst lässt sich an solchen Zahlen ablesen, ob es eine Kluft zwischen verschiedenen Akteuren gibt: Nutzen manche Parteien die sozialen Netzwerke eher als andere? Unterscheidet sich die Präsenz nach Altersstruktur? Ergeben sich regionale Unterschiede? Darauf aufbauend lässt sich die im letzten Artikel angesprochene Aktivität von Parteien und Politikern einordnen und bewerten.

Diesen und weiteren Fragen geht Kay Hinz nach, Stipendiat im Graduiertenkolleg „Linkage in Democracy. Politische Repräsentation in heterogenen Gesellschaften“ an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. In einem kürzlich veröffentlichten Beitrag (Link: http://regierungsforschung.de/data/050913regierungsforschung_1.de_hinz_kandidatenweb2null.pdf) auf www.regierungsforschung.de stellt Hinz erste Erkenntnisse zur Präsenz von Kandidaten der Bundestagswahl 2013 im Social Web dar. Beachtet wird hier, welche Kandidaten das Social Web konkret für politische Kommunikation nutzen. Die Existenz von privaten Web-Auftritten ohne Bezug zur Kandidatur oder zur Partei wird hier nicht untersucht. Die Ergebnisse beziehen sich auf einige Wochen vor der Wahl.

Er kommt hier zu dem Schluss, dass sich zwar eine unterschiedliche Präsenz der Kandidaten feststellen lässt, diese jedoch zum jetzigen Zeitpunkt nicht als problematisch einzuordnen ist. Die Unterschiede stellt Hinz vor allem zwischen den Parteien fest, sowie zwischen den Kandidaten nach Bundesländern.

  • Als Partei sticht die SPD mit 85,7% der in die Untersuchung einbezogenen Kandidaten heraus, die eine Präsenz in mindestens einem Netzwerk haben. Der Anteil der Präsenzen von untersuchten Unionspolitikern ist mit knapp 71% am geringsten. Insgesamt verzeichnet die FDP in allen Aspekten vergleichsweise hohe Werte und führt die Tabelle in der Kategorie „präsent in beiden Netzwerken“ mit 46,7% an.
  • Die Differenz zwischen den Kandidaten nach Bundesländern variiert stark. Mecklenburg-Vorpommern weist mit 87% seiner Kandidaten die meisten Präsenzen im Social Web auf. Hinz hebt zudem hervor, dass insbesondere die Stadtstaaten konstant hohe Werte zeigen. Trotzdem kommt er hier zu dem Ergebnis, dass diese Datenlage keinen Schluss auf einen „Digital Divide“ auf dieser Ebene zulässt.

Über diese Ergebnisse hinaus, thematisiert Kay Hinz in seinem Beitrag auch die Unterschiede zwischen den beiden Plattformen facebook und Twitter. Aus diesen Ergebnissen lassen sich Fragestellungen ableiten, die den Fokus darauf richten welche Potentiale welche Plattform für wen bereithält.

 

Einer ähnlichen Analyse hat sich Martin Fuchs im Auftrag von UdL Digital kurz nach der Wahl gewidmet und hat die Ergebnisse auf seinem Blog www.hamburger-wahlbeobachter.de veröffentlicht. Das Wichtigste ist in der folgenden Grafik zusammengefasst.

Die hier genannten Zahlen weichen von den Ergebnissen von Kay Hinz ab. Vermutlich ist dies jedoch auf ein unterschiedliches Vorgehen zurückzuführen. Martin Fuchs hat seine Analyse mit Hilfe seines Social-Media-Analyse-Portals pluragraph.de durchgeführt. Kay Hinz hingegen ist selektiver vorgegangen und hat die einzubeziehenden Präsenzen nach weiter reichenden Kriterien ausgewählt. Sinn ist die Gewährleistung einer tatsächlich primären Nutzung des Accounts zur politischen Kommunikation, sowie die realistische Chance der untersuchten Kandidaten in den 18. Bundestag einzuziehen. So kommt Hinz zu dem Ergebnis, dass 77,4% der Grundgesamtheit über mindestens auf einer sozialen Plattform präsent sind. Fuchs hingegen spricht auf Basis seiner Daten nach der Wahl von 95,1% der Grundgesamtheit, die über ein Profil verfügen. Allerdings bezieht Fuchs mehr und eher unbekannte bzw. kleine Plattformen in seine Analyse mit ein, wohingegen sich Hinz auf facebook und Twitter konzentriert.

Sicher ist hier nun diskussionswürdig welches Vorgehen die relevanteren Daten liefert und ein realistischeres Bild zeichnet: Qualitative Vorüberlegungen vs. den rein quantitativen Überblick. Fest steht jedoch, dass die Einbeziehung der tatsächlichen Aktivität der Politiker und der Resonanz und Interaktion mit den Präsenzen unverzichtbar sein wird für die Auswertung der Daten. Die Fragen nach dem „Wer“ und dem „Wie“ gehen im Bezug auf die Einschätzung des Potentials Sozialer Medien für die Politische Kommunikation also Hand in Hand.


1 Kommentar

  1. Martin Fuchs (@wahl_beobachter) 27. Oktober 2013 um 00:34 Antworten

    Vielen Dank für die Erwähnung meiner Analyse der Social-Media-Nutzung der 631 gewählten Abgeordneten des 18. Deutschen Bundestages.

    Ich finde, dass sich die Zahlen der ca. 600 von Kay Hinz ausgewählten „aussichtsreichen“ Kandidaten nicht so stark von den am Ende wirklich gewählten 631 Abgeordneten unterscheiden, wie der Artikel suggeriert.

    Betrachtet man nur Facebook und Twitter ergeben sich wie im Blogposting detalliert beschrieben (http://www.hamburger-wahlbeobachter.de/2013/10/18-deutscher-bundestag-95-prozent-der.html) folgende Nutzungs-Zahlen:

    Facebook:
    574 der 631 Abgeordneten haben ein eigenes Facebookprofil.
    91 Pozent der Bundestagsabgeordneten sind bei Facebook angemeldet.

    394 von 631 Abgeordenten nutzen ein persönliches Profil.
    62,4 Prozent der Bundestagsabgeordneten kommunizieren über private Profile.

    391 von 631 Abgeordneten haben eine Fanseite.
    62 Prozent der Bundestagsabgeordneten haben sich für die Nutzung einer Fanseite entschieden.

    Twitter:
    321 der 631 Abgeordneten haben einen eigenen Twitter-Account.
    Dies entspricht 50,9 % der Bundestagsabgeordneten.

    Bin gespannt auf die ersten qualitativen Studien der Grundgesamtheit.

    Und in der Tat sind die Nutzungszahlen bei aktiven bereits im Bundestag vertretenen Abgeordneten immer höher als von bisher noch nicht gewählten aber vielleicht aussichtsreichen Kandidaten.
    Meine These: Mit Mandat verfügen Abgeordnete über die benötigten Ressourcen (Zeit, Mitarbeiter, Geld) und ziehen einen größeren Mehrwert aus dem Betrieb von Profilen, als in Ihrer Funktion als unbekannte Kandidaten (ohne/mit kleiner Community).

    Martin Fuchs

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