18. Juni 2013

Wann kommt es zum Twitter-Wirbel – und wann nicht?


In Nordirland treffen sich seit gestern die Staatschefs der acht größten Industrienationen. Im Gegensatz zu den Protesten in der Türkei ist die Resonanz im Netz jedoch bisher sehr gering – ein Erklärungsversuch.

Ob der offizielle G8-Account bei Twitter nur Marketing, oder ernstgmeintes Dialogangebot ist, muss sich erst noch zeigen

Das Hashtag #G8 wurde in den letzten 24 Stunden nur in knapp 19.000 Tweets von 10.000 unterschiedlichen Nutzern verwendet. Diese relative Ruhe auf Twitter deckt sich auch mit den Bilder aus dem nordirischen Lough Erne, das im Gegensatz zu einigen früheren Gipfelschauplätzen bisher kaum größere Demonstrationen verkraften musste. Dass politische Themen im Netz aber durchaus breit diskutiert werden, zeigen die türkischen Protesten, zu denen am Wochenende mehrere Millionen Tweets verschickt wurden.

Twitter-Proteste sind unabhängig von Ort und Zeit

Der Blick auf diese beiden Ereignisse macht augenfällig, dass das Echtzeitnetz nicht mehr an Ort und Zeit gebunden ist. Wenn Themen auftauchen, die viele Menschen berühren, muss niemand mehr darauf warten, bei einem G8-Gipfel vor Ort zu protestieren – Protest ist jederzeit und überall mit einem Tweet oder Blogeintrag möglich. Überspitzt gesagt: Man lässt sich nicht mehr vorschreiben, über was man zu diskutieren hat, genauso wenig aber auch, wann. Wenn das Netz über die Türkei oder das Überwachungsprogramm Prism diskutiert, lässt es sich davon also auch vom Terminplan eines G8-Gipfels nicht abbringen.

Die #ifcampaign während des G8-Gipfels

Einen Versuch, Aufmerksamkeit auch ohne Gewalt zu erreichen, zeigt im Umfeld des G8-Gipfels die Kampagne “Enough Food For Everyone IF”, die mit kreativen Aktionen auf den Hunger in der Welt aufmerksam machen möchte. Die Strategie der Aktivisten, mit einprägsamen Bildern Aufmerksamkeit zu erregen, wirkt dabei recht klassisch. Neu ist, dass solche Proteste längst nicht mehr allein auf die etablierten Medien angewiesen sind.

Interessant bei der #ifcampaign ist besonders der Blick auf die Accounts, die in den jeweiligen Tweets genannt werden. Der offizielle Account @EnoughFoodIF steht hier nur an zweiter Stelle, hinter dem britischen Premier David Cameron. Die Aktivisten haben es somit geschafft, in ihrer Kampagne einen klaren Adressaten zu etablieren, der auch von den Twitter-Usern übernommen wird. Inwieweit der Adressat über Twitter erreicht werden kann, liegt nicht zuletzt auch an der Twitternutzung des betreffenden Politikers oder seines Teams. Wird hier jedoch ein gewisser Wirbel erzeugt, kann auch dieser Protest auf Twitter durchaus Aufmerksamkeit erregen.

Hier liegt wohl der größte Unterschied zwischen #G8 und #occupygezi: Wo Erdogan mit Tränengas auf Kritik reagiert und Social Media als böses Werkzeug verteufelt, wird beim G8-Gipfel sogar versucht, in eben diesem Medium Transparenz zu schaffen. Der offizielle Account @g8 kann hier als bemerkenswertes Beispiel genannt werden, wie die Bevölkerung in die Entscheidungen der Politik einbezogen werden kann.

Ob dies nur ein Marketinginstrument ist oder wirklich die Absicht des Dialoges überwiegt, werden nicht zuletzt die Entscheidungen des Gipfels zeigen.

 

Den Originalartikel finden Sie hier.


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