22. Mai 2013

Von Diktatoren und ihrer Beziehung zu Facebook


 In China hat die kommunistische Partei Facebook komplett gesperrt, während des Arabischen Frühlings legten die Regime zeitweise das Internet lahm. Im Iran hingegen betreibt der Revolutionsführer eine professionelle Facebook-Seite. Die besondere Ironie: Seinen Bürgern verbietet er das Netzwerk. Jetzt fordern Aktivisten in den USA Facebook-Chef Mark Zuckerberg auf, die Hetz-Seite zu sperren.

Ali Chameneis Facebook-Profil mit 43.276 Likes – nicht viel für einen Liebling der Massen

 

Wenn ein Diktator Angst vor einem Medium hat, dann merkt man das daran, dass er es verbietet. Doch wenn er gewaltige Angst hat, dann merkt man das daran, dass er zugleich versucht, es zu vereinnahmen. So macht es Ali Chamenei, seit knapp 24 Jahren Oberster Führer des Iran, der eine außergewöhnlich professionell gepflegte Facebook-Seite betreibt. Dort finden sich Botschaften wie jene an die US-Regierung:

„Ihr seid das Symbol des Bösen! Ihr seid es, die Kriege in aller Welt führt“, oder ganz allgemein: „Der Westen wird durch Gewalt, Krieg und Lüge zusammengehalten.“

Dazu gibt es jedes Mal ein Foto des Ajatollah und über allem prangt die Aufforderung: „Folgen Sie uns für regelmäßige Nachrichten“. An das eigene Volk kann diese Aufforderung kaum gerichtet sein. Denn im Iran ist der Zugang zu dem sozialen Netzwerk gesperrt, und wer dort das Falsche sagt, riskiert Haft, Folter, Tod.

Nun regt sich Protest gegen diese Absurdität, und er richtet sich direkt an Facebook-Chef Mark Zuckerberg. „Wie Ihnen sicherlich bekannt ist, benutzt das iranische Regime dieses Konto, um seine Propaganda zu verbreiten, während es seine eigenen Bürger vom Zugang zu Facebook ausschließt“, heißt es in einem offenen Brief der Lobby-Gruppe United Against a Nuclear Iran (UANI), und die Absender verlangen, Facebook müsse „sofort handeln und das Facebook-Konto von Ajatollah Chamenei vor der iranischen Präsidentenwahl am 14. Juni 2013 abschalten.“

Bei der letzten Wahl verfolgte das Regime Demonstrationsaufrufe und ihre Weiterverbreitung durch die iranischen Facebook-Nutzer genau, und verwendete die Informationen für deren Verfolgung. Gigi Alford, die beim amerikanischen Demokratie-Thinktank Freedom House das Internet im Iran erforscht, erklärt:

„Am Anfang war Facebook eine Schnittstelle zwischen dem Diskurs der Jugend und der realen Politik auf den Straßen. Aber genau diese reale Kraft des sozialen Netzwerkes hat dem Regime auch Angst gemacht. Deshalb hat es das Web 2.0 erfolgreich umfunktioniert und es zu einem Instrument konkreter Gewalt gemacht.“

Es ist fraglich, ob auch im Zuge der kommenden Präsidentenwahl eine digital getriebene Revolte denkbar ist, wie 2009. Erste Anzeichen für Manipulationsversuche des Regimes gibt es bereits. So darf der ehemalige iranische Staatschef Akbar Haschemi Rafsandschani offenbar nicht antreten. Der für die Billigung der Kandidaten zuständige Wächterrat habe Rafsandschanis als Bewerber abgelehnt, berichtet die halbamtliche Nachrichtenagentur Mehr. Bisher ist die Ablehnung noch nicht offiziell. Viele Reformer hatten auf einen Wahlsieg des populären und als gemäßigt geltenden Ex-Präsidenten gehofft.

Die Autoren des UANI-Briefes an Zuckerberg erinnern den Facebook-Chef an das Selbstverständnis seiner Plattform, wie er sie selbst in einem Interview formulierte:

„Heute haben durch soziale Netzwerke und andere Internetanwendungen 500 Millionen Menschen eine Möglichkeit, ihre Meinung zu sagen und ihrer Stimme Gehör zu verschaffen.“

Im Iran sei das nicht der Fall, außer für die Regimevertreter, die Facebook unter seinen Nutzern dulde.

 

Den gesamten Artikel zum Thema finden Sie hier.


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