7. Oktober 2013

Politische Kommunikation im Social Web – Facebook nach der Wahl


Zwei Wochen nach der Wahl wird noch immer diskutiert wie die neue Regierung aussehen soll. Tendenzen zeichnen sich ab, Probleme stehen im Raum, Politiker äußern sich in der Öffentlichkeit diplomatisch und verschwinden für die Verhandlungen wieder hinter verschlossenen Türen – erstmal soll kein Weg verbaut werden bis man weiß in welcher Position man sich am Ende wiederfindet. Ein krasser Schnitt im Vergleich zur offensiven Wahlkampfkommunikation der zurückliegenden Wochen. Der Ausgang der Wahl steht fest, der Kampf um Stimmen ist vorbei. Was geschieht in dieser Phase nun aber eigentlich mit den Kanälen der Parteien und Politiker im sozialen Netzwerk Facebook?

 

Einen Monat vor der Wahl warnte der Politologe Christoph Bieber in einem Artikel auf tagesschau.de davor nicht wieder den gleichen Fehler wie 2009 zu begehen und direkt nach der Wahl die Aktivität auf den Accounts weitgehend einzustellen. Zahlen, die auf der Seite fanpagekarma.de bereitgestellt werden zeigen jedoch, dass genau dies wieder geschehen ist:

Die letzten zwei Wochen vor der Wahl ist recht kontinuierlich eine hohe Aktivität in Form von Posts zu erkennen, deren Kurve je näher der Wahltag heranrückt leicht ansteigt, nach der Wahl jedoch für alle Parteien abfällt. Nur die AfD und die Piraten haben eine gewisse Aktivität aufrechterhalten, die der von vor der Wahl ähnelt. Die Zahlen aus dieser Quelle lassen nur eine Nachvollziehbarkeit des Verlaufs ab dem 09.07.2013 zu. Zwei Wochen nach der Wahl liegen die Werte jedoch noch niedriger als 2,5 Monate vor der Wahl. Zu diesem Zeitpunkt Anfang Juli lagen die Auftritte der Parteien zwischen 2-4 Posts pro Tag, nur die Piratenpartei bot eine Ausnahme mit bis zu 12 Posts pro Tag. Zwei Wochen nach der Wahl liegen die Parteien alle zwischen 0-2 Posts pro Tag.

Die direkte Interaktion mit den Seiten hingegen, gemessen als „Sprechen darüber“, ist in den Tagen nach der Wahl massiv angestiegen:

In dieser Kategorie sind beispielsweise das „Gefällt mir“ klicken einer Facebook Seite, das Posten an die Pinnwand einer Facebook Seite, das Teilen eines Posts oder das Kommentieren eines Posts zusammengefasst. Zwei Wochen nach der Wahl sind die Werte auf einem extrem niedrigen Niveau (im Vergleich zum Messbeginn Anfang Juli 2013). Nur der Account der AfD zeigt sich auch hier mit einer hohen Zahl an Interaktionen.

Auffällig sind also die Zurückhaltung der Parteien auf diesen Kanälen nach der Wahl und die zunehmende Aktivität der Nutzer.

Nicht mehr möglich war die Aktivität der Nutzer auf einigen Seiten von Bundespolitikern. Bereits wenige Tage nach der Wahl tauchte die Meldung auf, dass die FDP Politiker Philipp Rösler und Rainer Brüderle ihre Fanseiten auf Facebook gelöscht haben. Spott wurde laut, dass der Grund die Flucht vor den Kommentierungen der Netzgemeinde war. Dass man sich feige verhielte und Scheu vor einer Stellungnahme zur Niederlage habe. Und dass eine solche Reaktion eine denkbar schlechte PR-Maßnahme darstelle. Zwar hat fast jede relevante Zeitung mindestens in ihrem Online Auftritt über das Verschwinden der Profile knapp berichtet, für weiter reichendes Aufsehen hat dies aber nicht gesorgt. Auch variierte der Inhalt der Meldung kaum bis gar nicht – einige Zeitungen kommentierten hämisch, wie der Stern, andere rekapitulierten die letzten Einträge der Seiten, wie beispielsweise die BILD oder hielten die Meldung knapp und bündig und verwiesen auf etwaige Abwicklungsarbeiten der FDP-Zentrale, wie auf rp-online. Auf diese Dynamik weist auch Martin Fuchs, Betreiber von Pluragraph, gegenüber dem Stern hin. Pluragraph analysiert die Social Media Tätigkeiten von Politikern, gemeinnützigen Organisationen und Kulturellen Einrichtungen. Es dürfe nicht vergessen werden, dass die Accounts kaum von den Politikern selber betrieben werden, sondern von deren Mitarbeiterstab. Eine Wahlniederlage hat für eine Partei und ihre Mitarbeiter im Hintergrund weitreichende personelle Folgen. Eine Vielzahl von Menschen müssen entlassen werden. Laut Fuchs ist es deshalb notwendig in solchen Fällen, in denen Facebook Auftritte von einzelnen Politikern offline geschaltet werden zu fragen, ob dieses Abschalten eine Folge der Entlassungen ist. schwäbische.de hingegen zitiert die FDP-Pressestelle in einem Artikel vom 30.09.2013 (aktualisiert am 02.10.2013) folgendermaßen:

„Die Profile sind vorübergehend deaktiviert. Grund dafür sind eine Vielzahl von hämischen Kommentaren und inakzeptablen Beschimpfungen, die teils strafrechtliche Relevanz besitzen. Dieses Ausmaß war nicht zu erwarten und nicht zu bewältigen. Deshalb hat sich die FDP für eine Deaktivierung als die sauberste Lösung entschieden. Die Profilseiten können zu gegebener Zeit wieder aktiviert werden, wenn sich die Lage beruhigt hat.“

Doch was auch immer der tatsächlich Grund ist: Es wirkt zunächst wie eine Flucht, wie sich verstecken und die Konfrontation scheuend – wie schädigend ist dieser Eindruck jedoch tatsächlich?

Es lässt sich festhalten: So viel Aufmerksamkeit die Pflege der Facebook Auftritte von Parteien und Politikern vor der Wahl erhält, so sehr rückt dieser Kommunikationskanal in den Hintergrund, wenn die Wahl unmittelbar vorüber ist.

 


1 Kommentar

  1. Martin Fuchs (@wahl_beobachter) 10. Oktober 2013 um 09:34 Antworten

    Vielen Dank für die gelungene Zusammenfassung sowohl der „digitalen Fahnenflucht“ bei der FDP als auch der Facebook-Aktivitäten nach der Wahl. Zwischenzeitlich gab es auch eine Reihe von Facebook-Seiten-Löschungen bei der SPD udn den Grünen. Gerne liefern wir als Pluragraph.de auch diese Daten.

    Das die Aktivitäten der Parteien nach der Wahl nun etwas nachlassen hat aber auch ganz praktische Gründe. Die Mitarbeiter die mehrere Monate durchgearbeitet haben und auch die Politiker die monatelang im 24h-Einsatz waren haben sich nun auch einmal ein paar Tage Urlaub verdient. Würde das Nachlassen der Aktivitäten so kurz nach der Wahl also nicht überinterepretieren 😉 Belastbare Aussagen lassen sich dann im November ziehen.

    Finde das in dieser frühen Phase nach der Wahl auch nicht schlimm, da auch viele Bürger nach dem Wahlkampüf auch erstmal ein kurze Pause brauchen 😉 Und die in die Koalitionsverhandlungen involvierten Kreise sind ja weiter social-medial aktiv.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.