18. Januar 2013

Landtagswahl in Niedersachsen: Was bieten die Netzauftritte der Parteien?


Die erste Landtagswahl im neuen Jahr steht an und es geht um weit mehr als nur um den Einzug ins Hannoversche Leineschloss. In der Niedersachsen-Wahl stehen auch die Zukunft des SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, die Karriere des FDP-Parteichefs Philipp Rösler und die Erfolgswelle der Piratenpartei dem Spiel. Zusätzliche Bedeutung erhält die Wahl durch die sich möglicherweise verschiebenden Machtverhältnisse im Bundesrat, da aktuelle Umfragen auf einen Regierungswechsel hindeuten. Und wie sehen die Wahlstrategien der Parteien im Netz aus, um ein Wahldebakel zu verhindern? politik-digital.de hat die Internetauftritte genauer unter die Lupe genommen.

Alle sechs Parteien stellen ihre Fernseh-, Kino- und Radiospots ins Internet, einige Parteien haben sogar ihren eigenen YouTube-Kanal. Bewegte Bilder sind auch im Netz ein Blickfang und die Parteien haben sich darauf eingestellt. Dabei wird mit verschiedenen Typen von Spots gearbeitet: gezielte Ansprache von Politikern in die Kamera, die Erzählerstimme aus dem Off oder die Darstellung von „ganz normalen Leuten“, die ihre Meinung artikulieren. Exklusivmaterial, das nur online zu sehen ist, wird auch geboten: So veröffentlicht z.B. die CDU ein Video-Grußwort ihres Generalsekretärs Ulf Thiele, der SPD-Spitzenkandidat Stephan Weil offeriert eine tägliche YouTube-Kolumne, die Linke bietet ihr Wahlprogramm als Hörbuch an und die Grünen zeigen ihr Spitzenpersonal Anja Piel und Stefan Wenzel beim „Stresstest“.

Eher unspektakulär sind die Angebote an Fotos und Bildern, die die Parteien in Niedersachsen ihren Website-Besuchern anbieten: Häufig handelt es sich um Fotos von Rednern oder Momentaufnahmen von (Partei-)Veranstaltungen. Bei Flyern und Wurfzetteln werden in erster Linie Offline-Inhalte und -Formate auf der Partei-Homepage offeriert. Bemerkenswert ist, dass CDU, Grüne und Linke ihre Handzettel auch in Fremdsprachen anbieten, um so Deutsche mit Migrationshintergrund leichter erreichen zu können.

Die elektronische Infopost in Form des Newsletters bleibt ein Evergreen der politischen Kommunikation. Die CDU platziert ihn prominent auf die oberste Ebene ihrer Homepage. Bei SPD, FDP und Piraten findet man ihn im Untermenü. Die Grünen offerieren einen Newsletter ihrer Fraktion im Landtag. Die Linke bietet zwar nicht direkt einen Newsletter an, allerdings kann man im Kontaktformular anklicken, dass man mit der „Zusendung von Informationen“ einverstanden ist.

SPD und Piraten bieten Smartphonenutzern Apps zum kostenlosen Download an. Die Sozialdemokraten bieten sogar gleich zwei Stück an: die Weil-App (iOS, Android) und die Niedersachsen-App (iOS). Damit wagt die SPD eine kleine Innovation: Hält man sein Smartphone mit eingeschalteter Weil-App vor ein Plakat, tritt Herr Weil scheinbar aus dem Plakat heraus und erläutert in weniger als einer halben Minute das Anliegen seiner Partei, natürlich inhaltlich abgestimmt auf das jeweilige Plakat. Weitere Funktionen sind z.B. das Kontaktieren von Kandidaten und das Aufrufen von Plakaten. Die Piraten offerieren die „Piraten Karte“ (iOS, Android), mit deren Hilfe Plakate und Kandidaten aufgerufen werden können. Auch lässt sich damit online spenden. Eine neue und ansprechende Idee, findet Autor Germar Molter. Die Zukunft werde zeigen, ob Nutzer diesen neuen Vertriebsweg politischer Werbung nutzen werden.

Hinweise oder Aufrufe zur Online-Spende hat jede Partei auf ihrer Website. Doch sind sie – etwa im Vergleich zu US-amerikanischen Seiten – nur zurückhaltend eingebaut. Erstaunlich, dürfte man doch annehmen, dass so mit vergleichsweise geringem Aufwand Mittel zur Finanzierung des Wahlkampfes akquiriert werden könnten. Eine Erklärung kann darin liegen, dass die Parteien möglicherweise annehmen, die zu erwartenden Spenden würden gegenüber der staatlichen Parteienfinanzierung vergleichsweise gering ausfallen.

Das Werben um neue Mitglieder nutzen alle Parteien im Internet. Der Button zum Mitgliedsantrag ist prominent auf der Startseite fast jeder Parteien-Website platziert. (Lediglich bei der Linken ist die Schaltfläche zum Mitgliedsantrag inzwischen von der Website verschwunden.) Laut Molter ein weiteres Indiz dafür, dass sich Parteien in erster Linie über ihre Mitglieder definieren.

Und wie nutzen Parteien das Netz als Vernetzungstool für Mitglieder? CDU und Grüne verlinken direkt von ihrer Homepage auf einen passwortgeschützten Bereich („CDUplus“ bzw.„Wurzelwerk“), in dem Mitglieder und Unterstützer miteinander kommunizieren und sich organisieren. Die SPD bietet mit „printBOX“ ein Werkzeug an, das zum Herstellen von Werbematerial im Corperate Desgin für SPD-Gliederungen und -Kandidaten dient. FDP und Linke haben ein solches Tool zumindest nicht sichtbar auf ihren Websites platziert.

Zusammenfassend lässt sich festhalten:

  • Die Parteien nutzen Homepages in diesem Landtagswahlkampf vorrangig zur Information von Wählern, doch es sind zumindest Ansätze einer interaktiven Kommunikation erkennbar.
    Vor allem werden seitens der Parteien Inhalte, die im Offline-Wahlkampf genutzt werden, zweitverwertet und online gestellt, wie z.B. Spots, Bilder oder Handzettel. Daneben werden spezielle Online-Inhalte angeboten, um die eigene Website für einen Besuch attraktiv zu machen. Auch werben die Parteien teilweise mit Angeboten in Gebärdensprache oder Fremdsprachen, um Wähler anzusprechen. Die auf Flickr gezeigten Fotos vermitteln jedoch kaum Atmosphäre und wirken häufig wie eine Pflichtübung.
  • Formen der Interaktion existieren, werden aber noch nicht ausreichend genutzt.
    Häufig scheint die Interaktion immer noch auf den traditionellen Stammwähler zugeschnitten zu sein. Nicht-Mitglieder für die Parteiarbeit zu gewinnen oder zum Spenden zu animieren, wird von den Parteien offensichtlich nur zaghaft erwogen. Die Parteien nutzen folglich noch nicht das Potenzial, über ihre Mitglieder hinaus Menschen anzusprechen oder ihre Mitglieder durch Internettools besser miteinander zu vernetzen.
  • Auffallend bis irritierend wirkt die Konzeption mancher Internetauftritte:
    SPD, Linke und Piraten haben zusätzlich zur Seite ihres Landesverbandes eine separate Wahlkampfseite eingerichtet. Doch lediglich bei der Linken erschließt sich die Aufteilung auf Anhieb: Alles zur Wahl gibt es auf der Kampagnenhomepage, alles Weitere auf der Seite des Landesverbandes. Bei SPD und noch stärker bei den Piraten wird nicht auf den ersten Blick klar, ob die Inhalte beider Homepages identisch sind oder sich unterscheiden. Und falls sie sich unterscheiden, auf welcher Seite welche Information abgelegt ist. Das verwirrt den Besucher. Verständlicher wäre eine strikte Aufteilung oder eine einfache Weiterleitung von einer URL auf die andere.
  • Bemerkenswert ist schließlich, dass zur Landtagswahl auch mit Niedersachsen-fernen Themen geworben wird.
    Die FDP feiert auf ihrer Homepage das Ende der Praxisgebühr – einem bundespolitischen Thema. Und die Piraten werben damit, dass der Untersuchungsausschuss zum Flughafen BER im Berliner Abgeordnetenhaus von einem Piraten geleitet wird. Den Rückschluss zur Landtagswahl muss der Website-Besucher selbst ziehen.

 

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