17. Juli 2013

Kampagnen der Parteien zur #btw13 – Piratenpartei und CDU


Eine aktuelle Studie des Branchenverbands Bitkom gibt die Richtung vor: Gut ein Drittel der Befragten sagt, dass der Internet-Wahlkampf entscheidend für den Ausgang der Bundestagswahl ist, jeder Dritte informiert sich auf Social-Media-Plattformen über Politik. politik-digital.de hat die Verantwortlichen der Bundestagsparteien zu ihren Strategien befragt: Wie lockt man Wähler am besten ins Netz? Welche Bedeutung hat der Online-Wahlkampf? Kann der User mitmachen? Was tun im Shitstorm?

Den Anfang machen Christophe Chan Hin, Beisitzer im Piraten-Vorstand und Verantwortlicher für die Wählerwerbung im Internet, und Uwe Göpel, Teamleiter Online für Marketing und interne Kommunikation der CDU und Verantwortlicher für die Online-Kampagne der Christdemokraten für den Bundestagswahlkampf 2013.

politik-digital.de: Welche Wählergruppe wollen Sie mit dem Online-Auftritt ansprechen?
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Christophe Chan Hin (Bild rechts): Es gibt drei wichtige Gruppen für uns. Zum einen natürlich die netzpolitischen Gruppen, die außerhalb der Partei agieren. Die nächste wichtige Gruppe sind natürlich die Piraten selber, denn für Social Media sind sie unser primärer Verbreitungskanal – ein bei den Piraten beliebtes Social Media Motiv beispielsweise wird sehr schnell auf Twitter und Facebook von unseren Mitgliedern geteilt. Das ist ein großer Bonus: Verbreitung ist nicht das Problem bei uns. Und dann haben wir natürlich das ambitionierte Ziel, große Teile der jungen Menschen für unsere Sache zu begeistern.

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Uwe Göpel (Bild links): Mittlerweile sind drei Viertel der Bevölkerung online und im Internet aktiv. Als Volkspartei ist es unser Anspruch, jede Zielgruppe anzusprechen und für jede Zielgruppe attraktiv zu sein – sowohl online als auch offline.

politik-digital.de: Wie wichtig ist der Online-Wahlkampf, verglichen mit anderen Werbekanälen?

Christophe Chan Hin: Den Online-Wahlkampf trennen wir nicht so klinisch vom Offline-Wahlkampf. Insofern priorisieren wir nicht wirklich, sondern versuchen, das Ganze in einem Kontext zu sehen: Wenn ich auf Facebook und Twitter merke, viele Piraten begeistern oder empören sich über ein Thema, dann muss da natürlich schnell Material für die Infostände gemacht werden. Sonst besteht die Gefahr, dass zwar eine große Handlungsmotivation da ist, diese aber verpufft.

Uwe Göpel: Die Online-Kampagne ist eine vollwertige Säule der Gesamtkampagne. Soziale Netzwerke sind für uns attraktive, weil reichweitenstarke Kanäle. 2009 war das wichtigste soziale Netzwerk noch StudiVZ, mittlerweile ist Facebook die absolute Nummer Eins in puncto Reichweite.

politik-digital.de: Welchen Anteil am Gesamtbudget hat die Online-Kampagne?

Christophe Chan Hin: Die Online-Kampagne kostet uns sehr wenig bis gar nichts. Die größten Kostenpunkte sind zusätzliche Kapazitäten bei der IT, die neben den innerparteilichen Parteiangeboten jetzt auch die ein oder andere Wahlkampfseite hostet.

Uwe Göpel: Der Etat der CDU Deutschlands für den Bundestagswahlkampf 2013 beträgt rund 20 Millionen Euro – wie schon in den Bundestagswahlkämpfen 2005 und 2009. Natürlich haben wir der wachsenden Bedeutung des Online-Bereichs entsprechend auch Umschichtungen im Budget vorgenommen.

politik-digital.de: Welcher Teil des Online-Wahlkampfes ist das Herzstück der Kampagne?

Christophe Chan Hin: Unsere Social Media Kampagne. Sie ist im Prinzip eine visuelle Pressemeldung: Wir versuchen, herauszufinden, was an dem Tag das wichtigste Thema ist. Dazu machen wir einen Kommentar. Hier sind drei Dinge wichtig: Klare Aussagen, eine gute Text/Bild Kombination, und natürlich Geschwindigkeit. Wir wollen unseren Kandidierenden und Mitgliedern die Möglichkeit geben, etwas zum Teilen zu haben. Etwas, dass sie selber auch gerne verteilen. Und das unmissverständlich unsere Position kommuniziert. Der Dialog passiert dann ganz von selbst.

Uwe Göpel: Es gibt drei Schwerpunkte: Zum einen sind da die sozialen Netzwerke mit den reichweitenstärksten Angeboten Facebook, Twitter und YouTube. Dann haben wir das Thema Bewegtbild und CDU.TV. Zum dritten beobachten wir die rasant steigende Nutzung im Bereich der mobilen Endgeräte. Die neue Website der CDU ist daher im responsiven Design gestaltet, das heißt, dass alle Inhalte für das jeweilige Endgerät optimiert dargestellt werden.

politik-digital.de: Hat der User die Möglichkeit, mitzumachen?

Christophe Chan Hin: Wir haben unser Mitmach-Portal , da können konkrete Jobs und Events reingestellt werden. Die Parteibasis kann natürlich Einfluss auf die Kampagne nehmen und z.B. direkt bei der Servicegruppe “Gestaltung”, also unserem Designernetzwerk, anfragen, wenn sie einen konkreten Umsetzungswunsch für ein Design hat.

Uwe Göpel: Der Wunsch nach Mitmachen, Mitgestalten und Teilhabe ist nicht erst durch die sozialen Netzwerke aufgekommen. Das Internet macht Beteiligung allerdings einfacher. Für diese Bundestagwahl haben wir zum Beispiel das Regierungsprogramm zusammen mit den Bürgern erarbeitet. Unsere Mitmach-Aktion hieß „Was mir am Herzen liegt!“. Jeder Bürger konnte, übrigens on- wie offline, seine Ideen einbringen.

politik-digital.de: Räumen Sie dem Internet einen großen Stellenwert bei der Mobilisierung von Nichtwählern ein? Wie funktioniert die Mobilisierung im Netz?

Christophe Chan Hin: Ja, wobei wir das nicht auf Nichtwähler beschränken. Wir haben ja auch Parteimitglieder, die wenig aktiv sind und Sympathisanten aus anderen Parteien oder NGOs. Das geht am besten über Themen. Online können wir sehr gut politisieren, wenn wir uns trauen, klar unsere Themen anzusprechen – und dann in Dialog treten, die Leute also wirklich abholen. Ganz wichtig wird auch in der heißen Phase des Wahlkampfs sein, konkret zu sagen: Das könnt ihr tun! Hier wollen wir noch Plakate hängen, Flyer verteilen, eine Straßenaktion machen! Teilt unsere Social Media Motive, da könnt ihr sie finden!

Uwe Göpel: Wir haben tägliche Bildelemente zu aktuellen Themen. Oft werden Inhalte Facebook-gerecht angeboten, um die User zum Teilen zu animieren. Vielleicht erreicht unser CDU.TV-Angebot, mit dem wir politische Botschaften multimedial aufbereiten, gerade Zielgruppen, die sich ein Regierungsprogramm nicht anschauen, sondern lieber einen 90-sekündigen Clip auf YouTube. Aber: Ich möchte das nicht auf Nichtwähler begrenzen.

politik-digital.de: Wo online um Wähler geworben wird, ist der Shitstorm nicht weit. Haben Sie eine „Eingreiftruppe“? Wie wird die intervenieren?

Christophe Chan Hin: Mittlerweile gibt es viele Piraten, die bei solchen Dingen schlichten. Es geht letztlich nicht zuletzt darum, dass die Mechanismen, die zu einem Shitstorm führen, auch positiv genutzt werden können. Unsere täglichen Social Media Motive können durchaus auch einen Shitstorm unterbrechen. Das ist eine nicht zu unterschätzende Rolle unserer Social Media Kampagne. Mein Ziel ist es auf jeden Fall, dass die Shitstorms als das dastehen, was sie sind: Oftmals eigentlich nicht besonders relevante Neuigkeiten, die aber aufgrund fehlender oder unzureichender Öffentlichkeitsarbeit der Partei eine massive Aufmerksamkeit bekommen.

Uwe Göpel: Wir beobachten und moderieren unsere Seiten, vor allem Facebook und YouTube. Das ist zwingend notwendig, weil dort auch Kommentare erscheinen könnten, die strafrechtlich relevant sind. Die sozialen Netzwerke leben von Diskussion und Auseinandersetzung, aber natürlich muss man in manchen Situationen eingreifen.

Die gesamten Interviews können Sie hier einsehen.


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