30. Juli 2013

Kampagnen der Parteien für die #btw13 – FDP und Die Linke


Eine aktuelle Studie des Branchenverbands Bitkom gibt die Richtung vor: Gut ein Drittel der Befragten sagt, dass der Internet-Wahlkampf entscheidend für den Ausgang der Bundestagswahl ist, jeder Dritte informiert sich auf Social-Media-Plattformen über Politik. politik-digital.de hat die Verantwortlichen der Bundestagsparteien zu ihren Strategien befragt: Wie lockt man Wähler am besten ins Netz? Welche Bedeutung hat der Online-Wahlkampf? Kann der User mitmachen? Was tun im Shitstorm?

Neben Vertretern der anderen großen Parteien geben auch Marion Heinrich, stellvertretende Pressesprecherin in der Bundesgeschäftsstelle der Partei DIE LINKE und Tommy Diener, Bereichsleiter der Abteilung Strategie, Dialog und Kampagnen der FDP einen Einblick in ihren Online-Wahlkampf.

 

politik-digital.de: Welche Wählergruppe wollen Sie mit dem Online-Auftritt ansprechen?

Marion Heinrich: Die Online-Wahlkampagne soll unterschiedliche Wählergruppen ansprechen.

Die Website der LINKEN dient in erster Linie Interessierten und Parteimitgliedern als zentraler Anlaufpunkt, um sich mit Informationen über DIE LINKE zu versorgen.

Unser Twitter-Kanal dient insbesondere der schnellen Information bei bestimmten Anlässen wie Parteitage, Aktionstage usw. Er richtet sich in erster Linie als Ticker an Multiplikatoren.

Die Facebook-Seite der LINKEN ist – ebenso wie die Seite bei Google+ eine Ergänzung zur Website der LINKEN. Beide Angebote richten sich ebenfalls an ein breiteres Publikum, sind aber im Gegensatz zu die-linke.de dialogorientiert aufgebaut.

Tommy Diener: Der Online-Wahlkampf spielt eine wichtige Rolle, insbesondere um junge Menschen und Erstwähler anzusprechen.

 

politik-digital.de: Wie wichtig ist der Online-Wahlkampf, verglichen mit anderen Werbekanälen? Hat sich bezüglich der Priorisierung etwas im Vergleich zu 2009 geändert?

Marion Heinrich: DIE LINKE hat ihre Online-Strategie in den vergangenen Jahren kontinuierlich fortgeschrieben und weiterentwickelt. Daher ist es im Jahr 2013 weder nötig noch möglich, »einen Schalter umzulegen« und etwas Neues, nie Dagewesenes zu starten. Generell stärken wir alle Instrumente, die den Dialog fördern, die Kollaboration unserer Anhängerinnen und Anhänger verbessern und die Multiplikatoren gezielt ansprechen. Darüber hinaus bauen wir verstärkt auf mobile Anwendungen und haben nennenswert Ressourcen von Print- zu Online-Anzeigen umgeschichtet.

Tommy Diener: Der Online-Wahlkampf hat 2009 noch in den Kinderschuhen gesteckt. In diesem Jahr wird er professioneller und effektiver sein.

 

politik-digital.de: Welchen Anteil am Gesamtbudget hat die Online-Kampagne? Gibt es eine Veränderung, verglichen mit 2009?

Marion Heinrich: Das Budget für den Online-Wahlkampf wurde gegenüber 2009 erhöht. Weitere Angaben dazu werden wir nicht veröffentlichen.

Tommy Diener: Der FDP-Bundesverband plant für 2013 mit einem Etat von vier Mio. Euro. Davon werden etwa 20 Prozent für den Online-Wahlkampf ausgegeben.

 

politik-digital.de: Welcher Teil des Online-Wahlkampfes ist das Herzstück der Kampagne?

Marion Heinrich: Die Dialogorientierung das Herzstück unserer Kommunikationsstrategie. Das gilt nicht nur im Online-Bereich, sondern auch offline. DIE LINKE setzt gezielt darauf, ihre Anhängerinnen und Anhänger dazu zu motivieren, im Kreis von Kollegen, Freunden und Verwandten über DIE LINKE zu sprechen, zu diskutieren und so selbst zum Botschafter der Partei und ihrer Ziele zu werden. Ohne die Parteibasis kann die Online-Kampagne nicht funktionieren. Selbstverständlich macht die Parteibasis in der Kampagne mit und nimmt darauf Einfluss.

Tommy Diener: Neben der Wahlkampfseite wahl.fdp.de und der Homepage des Spitzenkandidaten Rainer Brüderle setzen wir auf die bereits bestehenden Seite “Portal Liberal”, die Homepage der FDP und das soziale Netzwerk “meine freiheit”. Zudem wird es Aktionen in den sozialen Netzwerken und klassische Bannerwerbung geben.

 

politik-digital.de: Hat der User die Möglichkeit, mitzumachen? Falls ja: Wie wird er dazu animiert? Kann die Parteibasis Einfluss nehmen auf die Kampagne?

Tommy Diener: Bereits seit der Erstellung des Bürgerprogramms 2002 hatte jeder User – egal ob Mitglied oder nur Sympathisant – die Möglichkeit, an unserem Wahlprogramm online mitzuarbeiten. Bei unserer „Gut gemacht“-Kampagne konnten User ihre eigenen Fotos hochladen und damit Plakate gestalten. Weitere Social Media-Aktionen wird es auch im Bundestagswahlkampf geben. Zudem bieten wir eine Reihe von Mitmach-Möglichkeiten über unsere Wahlkampfseite wahl.fdp.de an.

 

politik-digital.de: Beobachten Sie, wie die Konkurrenz online vorgeht? Kann ggf. flexibel reagiert werden?

Marion Heinrich: Wir beobachten unsere politischen Konkurrenten und können darauf ggf. auch flexibel reagieren.

Tommy Diener: Dass wir die politischen Mitbewerber beobachten und auf sie reagieren, haben wir bereits des Öfteren auf Facebook gezeigt – mit schnellen und reichweitenstarken Repliken z.B. auf den Kampagnen-Claim der SPD.

 

politik-digital.de: Räumen Sie dem Internet einen großen Stellenwert bei der Mobilisierung von Nichtwählern ein? Wie funktioniert die Mobilisierung im Netz?

Marion Heinrich: Generell gilt für DIE LINKE: Mobilisierung funktioniert mit einem altbewährten Mix aus Infoständen, Veranstaltungen, Aktionen, mit Anzeigen, Wahlzeitungen, über die klassische Presse und über das Internet. Wir beobachten, dass die Nutzerzahlen im ländlichen Raum erst langsam anziehen und sich – im Verhältnis – den Nutzungsgewohnheiten in urbanen Zentren annähern. Wir erwarten, dass diese Entwicklung anhält.

Ortsverbände bzw. Kreisverbände der LINKEN erreichen wir entweder durch persönliche Ansprache, über Mailinglisten, SMS-Verteiler oder auch über eigens eingerichtete Facebook-Gruppen (sofern diese vor Ort genutzt werden).

Tommy Diener: Zum einen ist Online-Wahlkampf zeitgemäß und wird von den Wählerinnen und Wählern erwartet. Zum anderen ist das Internet insbesondere für junge Menschen ein zentrales Medium geworden, um sich über Politik zu informieren.

Besonders interessant für den Wahlkampf macht das Internet die Geschwindigkeit, mit der Neuigkeiten verbreitet werden können. Zudem bietet der gegenseitige Austausch von Ideen und Informationen im Netz die Möglichkeit des echten Dialogs anstelle klassischer, einseitiger Kommunikation. Auch ist es über soziale Medien einfacher, einen Multiplikator-Effekt zu erzielen, um eine Vielzahl von potenziellen Wählerinnen und Wählern zu erreichen. Aufgrund dieser Vorteile ist das Internet heute nicht mehr aus dem Wahlkampf der FDP wegzudenken.

 

politik-digital.de: Wo online um Wähler geworben wird, ist der Shitstorm nicht weit. Haben Sie eine „Eingreiftruppe“? Wie wird die intervenieren?

Marion Heinrich: Wir reagieren entsprechend professionell.

Tommy Diener: Ja, wir haben eine „Eingreiftruppe“, die durch Richtigstellung reagiert. Aber im Gegensatz zu anderen lassen wir auch Kritik auf unseren Seiten zu und zensieren nur strafrechtlich Relevantes – man muss einen Shitstorm auch mal aushalten.

 

Die gesamten Interviews können Sie hier einsehen.


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