15. Mai 2013

„Demokratie 3.0“: Jeder Dritte hält Internet für wahlentscheidend


Der Bundestagswahlkampf im Internet wird laut einer Studie so wichtig sein wie nie zuvor. Bundeskanzlerin Merkel kann davon nur profitieren.

In Sachen Social-Media kommt derzeit niemand an der Bundeskanzlerin vorbei: Angela Merkel ist in sozialen Netzwerken mit rund 270.000 Anhängern die unangefochtene Nummer eins. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück ist auf Platz vorgerückt, allerdings mit nur 45.000 Fans und Followern auf Facebook, Twitter, YouTube, Xing und anderen Netzwerken. Knapp hinter ihm liegt Familienministerin Kristina Schröder (CDU), der insgesamt rund 44.000 Leute folgen. Im Top-Ten-Ranking von Pluragraph hat jedoch die Opposition die Nase vorn: sieben Politiker sind von der SPD, den Grünen und der Linke vertreten.

Das Social-Media-Ranking von Pluragraph ist Teil der Studie „Demokratie 3.0“ des Branchenverbandes Bitkom und könnte Politiker zu größeren Social-Media-Anstrengungen anspornen. Denn ein gutes Drittel (37 Prozent) der Wahlberechtigten hält das Internet entscheidend für den Ausgang der Bundestagswahl. Das Internet wird auch immer wichtiger, um sich über Politik zu informieren: 60 Prozent der Bürger nutzen dazu das Web, vor vier Jahren waren es noch 45 Prozent. Bei den 18- bis 29-Jährigen liege der Anteil sogar bei 80 Prozent. Dieser Wert wird nur noch vom Fernsehen übertroffen: 90 Prozent der Jüngeren schalten es ein, um sich über Politik kundig zu machen.

Wichtigster Anlaufpunkt für politische Themen im Netz sind die Webseiten der klassischen Medien. 84 Prozent aller Bürger klicken auf das Online-Angebot von Zeitungen und Magazinen.

„Man will schon noch die Sicherheit einer journalistischen Qualität“, sagt Bitkom-Präsident Dieter Kempf.

Soziale Netzwerke sind laut Umfrage für 35 Prozent der Befragten eine wichtige Quelle politischer Information, deutlich mehr bei den Jüngeren (55 Prozent), aber immerhin noch 27 Prozent bei der Generation 60 plus.  Laut Forsa stimmen 73 Prozent aller Wahlberechtigten der Aussage zu, dass ein guter Politiker das Internet nutzen sollte, um sich mit den Bürgern im direkten Dialog auszutauschen. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind es 83 Prozent. Für Kempf ist dieses Ergebnis ein Hinweis darauf, warum die Kanzlerin unangefochten an der Spitze der Politiker im Netz ist. Es sei „spürbar, dass sie neue Medien besonders intensiv nutzt“. Die Kanzlerin sei etwa die erste prominente Politikerin gewesen, die den Videochat Google Hangoutnutzte, um in Echtzeit mit Internetnutzernzu diskutieren.

 

„Gemessen an den mehr als 60 Millionen Wahlberechtigten in Deutschland sei die Zahl der Merkel-Fans im Netz dennoch bescheiden. Bei deutschen Politikern ist viel Luft nach oben“, sagt Forsa-Chef Manfred Güllner.

Zum Vergleich: Von den 314 Millionen US-Bürgern folgen 35 Millionen Präsident Barack Obama auf Facebook und 31 Millionen auf Twitter.

Trotz der wachsenden Bedeutung des Internets im Wahlkampf liegen die SPD und ihr Kanzlerkandidat laut Güllner mit ihrer Wahlkampfstrategie der Hausbesuche nicht falsch. Gerade um Nichtwähler zu erreichen, sei der persönliche Kontakt wichtig.

 

Den Artikel zum Thema auf Zeit Online können Sie hier lesen.

 


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