10. April 2013

Bundestagswahlkampf: Die Social Media-Strategien der Parteien im Fokus


Am 22. September 2013 stehen die 18. Wahlen des Deutschen Bundestages an. Die Wahlkampfmaschinerie läuft in allen Parteien auf Hochtouren, um die Kanzlerkandidaten und das Wahlprogramm in ein gutes Licht zu rücken. Dafür werden nicht nur Handzettel verteilt und Plakate geklebt. Die Social Media-Strategien der Parteien reichen von der Pflege der facebook-Seiten von Kandidaten über Diskussionen auf twitter bis hin zu einem Social Media Leitfaden. Der Parteien-Check:

Facebook

Facebook wird von der SPD-Führung am aktivsten genutzt. Im größten Sozialen Netzwerk der Welt hat die Partei meit 35.463 Fans (Stand: 27.03.2013) die Nase vorn. Es werden vor allem aktuelle News aus der Partei gepostet und es wird versucht, einen Dialog über aktuelle Themen herzustellen, so zuletzt zum Jahrestag des Unglücks in Fukushima oder zum Frauentag.

Platz zwei im facebook-Ranking belegen Bündnis 90/Die Grünen. Sie sind seit November 2008 auf dem Social Media-Kanal vertreten und haben insgesamt 34.733 Fans (Stand 27.03.2013), die durchschnittlich zwischen 18 und 24 Jahre alt sind. Damit haben die Grünen mehr Fans als die CDU (26.311 Fans, Stand: 27.03.2013) und fast so viel wie die SPD. Neben Links auf journalistische Beiträge zu aktuellen Themen (Spiegel Online über Zypern-Pleite) werden Neuigkeiten aus der Parteifraktion gepostet und Beiträge von den Social Media-Kanälen der grünen Landesverbände verlinkt.

Facebook ist auch bei der CDU der am stärksten bespielte Social Media-Kanal. Doch die Resonanz ist im Vergleich gering: über die Beiträge, die die CDU seit 2011 auf ihr Profil stellt, reden momentan 2.900 Personen (Stand: 20.03.2013). Im Vergleich: Auf der SPD-Seite sprechen 6.392 User über die Beiträge.

Die Liberalen weisen mit 20.204 Usern (Stand: 05.04.2013) signifikant weniger Nutzerzahlen als die bereits genannten Parteien auf. Seit dem August 2008 nutzt die FDP diesen Social Media Kanal, um ihre Meinung zu tagesaktuellen und politischen Themen mitzuteilen. Im Moment wird vor allem der FDP-Politiker und Außenminister Guido Westerwelle eingespannt, seine Meinung zum Nordkorea-Konflikt kundzutun. Aber auch Zitate von Spitzenkandidat Rainer Brüderle werden gern gepostet.

Twitter

Der Twitter-Kanal der Grünen hat 56.125 Follower, die ähnlich aktiv wie die Facebook-Nutzer sind. Der Social Media-Kanal der Grünen, der im August 2009 erstellt wurde, hat bisher 4.480 Tweets verschickt. Dabei wird auf aktuelle Berichte zu grünen Themen hingewiesen und TV- und Radio-Tipps für Interviews von Grünen-Politikern gegeben.

Die SPD hat gleich mehrere Accounts auf dem Social Media Kanal Twitter. Am Stärksten wird der Twitter-Account des SPD-Parteivorstands (Spdde) genutzt, der 33.044 Follower hat und bisher 6047 Tweets verschickt hat. Außerdem gibt es einen Twitter-Account der „SPD im Bundestag“ (spdbt), der 9.737 Follower hat und 2.221 Tweets verschickt hat. Zusätzlich hat jedes Bundesland seinen eigenen Twitter-Account. Die Partei konzentriert sich darauf, kleine Einblicke in das Tagesgeschehen aus der SPD-Geschäftsstelle zu geben und Termine zu kommunizieren.

Der Twitter-Kanal der CDU hat 27.683 Follower und es wurden bisher 2359 Tweets verschickt. Die Inhalte decken sich grundsätzlich mit denen auf dem Facebook-Kanal, für einen Dialog mit den Followern reicht es hier auch nicht. Im Unterschied zur SPD vernetzt sich die CDU-Parteien-Seite auf Twitter, aber auch auf Facebook, nicht so stark mit den einzelnen Politikern aus der eigenen Riege. Inhaltlich werden mehr Themen aus der Bundesregierung dargestellt.

Auf dem Social Media-Kanal Twitter sind die Liberalen erst seit dem Februar 2011 aktiv. Seitdem haben sie 9.127 Follower dazugewonnen und 1.649 Tweets verschickt. Die Inhalte der Tweets beziehen sich oft auf tagesaktuelle Themen, die die FDP so kommentiert oder es werden links auf das FDP-Intranet „Meine Freiheit“ gesetzt. Grundsätzlich werden andere Medien und Twitter-User wenig in einen Dialog eingebunden, für die FDP ist der Social Media-Kanal Twitter nur ein weiteres Kommunikationsmittel neben anderen.

YouTube

In Bezug auf die Abonnenten-Zahlen sind die Grünen auf Platz 1. Die Grünen sind seit 2006 auf dem Social Media-Kanal YouTube aktiv. Der Kanal hat 3.661 Abonnenten und die fast 1000 Videos wurden bisher 2.788.475 abgerufen. Damit ist die Aktivität ähnlich groß wie auf den You Tube-Kanälen der SPD und CDU. In insgesamt 25 Playlisten werden Pressestatements, Neues aus der Bundestagsfraktion (ca. 200 Videos) und Beiträge von Parteitagen gestreut.

Die CDU hat sich mit dem Channel CDU.TV auch auf dem Social Media-Kanal YouTube etabliert. Seit dem Start im August 2008 wurden die Videos 2.159.282 Mal abgerufen. Insgesamt gibt es 9 Playlisten, was wesentlich weniger als die 28 Playlisten der SPD sind, die aber teilweise nur leidlich gefüllt sind. Die 460 zur Verfügung stehenden Videos der CDU sind so wesentlich einheitlicher auf die Playlisten verteilt, wobei die meisten Videos auf die Playlist von Angela Merkel und der Playlist für mitgeschnittene Veranstaltungen gestellt werden. 2.789 YouTube-User haben den Channel abonniert.

Seit Ende 2007 ist die SPD auf YouTube vertreten (SPDvision). Seitdem hat der SPD-Channel 2.110.895 Aufrufe bekommen und wurde von 3.303 Usern abonniert.

2.707.464 Aufrufe hatten die Video-Beiträge der FDP auf dem Social Media-Kanal YouTube bis zum April 2013, womit sie hier vor der CDU liegt (2.159.282 Aufrufe, Stand 12.03.2013). Dabei ist die FDP auf diesem Social Media-Kanal sehr viel weniger aktiv als Parteien wie die CDU und SPD. Die Liberalen bespielen seit 2006 lediglich zwei Playlisten mit den Namen „64. Ordentlicher Bundesparteitag“ und „Videos der Fraktion“, in denen man insgesamt 59 Videos findet, die vornehmlich aus mitgeschnittenen Reden und Statements bestehen. Trotz fehlender Kreativität und wenigen neuen Einblicken in die Partei haben 2.503 User den YouTube-Channel abonniert.

Google+

Die Grünen sind auch auf Google+ vor allen anderen Parteien. Sie haben auf dem Social Media-Kanal Google+ 24.822 User, die den Grünen-Kanal in ihre Kreise aufgenommen haben.  Hier werden seit November 2011 dieselben Beiträge wie auf Facebook gepostet, die auf Google+ ähnlich aktiv kommentiert und diskutiert werden. Während die Kommentare auf Facebook inhaltlich breiter gestreut sind, geht es hier teilweise hochpolitisch zu, was vielleicht auf die ältere und gesetztere Nutzerschaft zurückzuführen ist.

Seit dem November 2011 ist die CDU auch auf dem Social Media-Kanal Google+ vertreten. 23.031 Personen haben die CDU in ihrem Kreis, eine Diskussion mit den Nutzern wird auch hier nicht angestrebt. Was auffällt ist, dass es hier weniger Beiträge zu den Konkurrenz-Parteien gibt, sondern lediglich Partei-Statements und Beiträge zu aktuellen gesellschaftspolitischen Themen wie der Papstwahl.

Was die FDP Social Media Kanal Facebook postet, findet man auch auf Google+. Hier haben die Liberalen mit 21.570 Usern sogar mehr Fans als auf Facebook. Auf Google+ geht es zur Sache, FDP-Freunde -und Feinde treffen aufeinander und diskutieren manchmal auch an der Sache vorbei, wenn sie sich zum Beispiel als „Forentroll“ beschimpfen oder sich der Dummheit bezichtigen. Es gibt aber durchaus auch inhaltliche und argumentativ schlagkräftige Auseinandersetzungen. Das FDP-Social Media-Team mischt sich hingegen nie in die Diskussionen ein und bezieht dadurch auch keine Stellung zu den Diskussionen.

Der Social Media-Kanal Google+ wird von der SPD (+spdde) nur stiefmütterlich behandelt. Im Wesentlichen finden sich hier dieselben Beiträge wie auf den anderen Social Media-Kanälen Facebook und Twitter: „Deutschland besser und gerechter regieren. Unser Regierungsprogramm in voller Länge ab sofort auf SPD.de.“ Auf dem Kanal finden sich lediglich 1.941 Follower; ob das an der geringeren Reichweite von Google+ oder an dem doppelten Content liegt, bleibt offen.

Fazit

Die Grünen haben in fast allen Social Media-Kanälen die Nase vorn. Die Partei nutzt die Kanäle nicht nur zur Verbreitung von Parteithemen, sondern geht mit den Nutzern auch in einen Dialog. Das ist wahrscheinlich ein bedeutender Teil des Erfolgsrezeptes der Social Media-Strategie der Grünen.

Die CDU ist auf allen größeren Social Media-Kanälen vertreten. Allerdings sticht sie mit einem „

“ des MdB Peter Tauber heraus. Auch die einzelnen Ländergruppen und CDU-Politiker haben teilweise Accounts. Wie auch die SPD versteht sich die CDU noch nicht so sicher darauf in einen Dialog mit den potenziellen Wählern zu gehen. Die Plattformen werden vornehmlich für die Weiterverbreitung von Parteithemen genutzt. Im Moment fokussiert die CDU außerdem sehr stark den Wahlkampf an, indem sie provokative Beiträge postet. Grundsätzlich scheint sich die CDU mehr Gedanken über die jeweiligen Zielgruppen der einzelnen Social Media-Kanäle gemacht zu haben. Mehr Nutzerzahlen und eine größere Resonanz kann sie deshalb bisher aber nicht verbuchen.

Wie auch die CDU ist die SPD auf allen wichtigen Social Media-Kanälen mit mindestens einem Account vertreten. Auf den größten Kanälen haben auch die Ländervertretungen eigene Profile, um dort von ihrer regionalen Arbeit zu berichten. Was bei der Analyse der einzelnen Social Media-Kanäle auffällt ist, dass die Kanäle selten als Kommunikationsmittel, sondern mehr als Darstellungsfläche genutzt werden. Lediglich auf dem Facebook-Account wird versucht, eine Diskussion zu aktuellen Themen anzutreiben.

Schließlich lässt sich über die FDP sagen, dass sie alle wichtigen Social-Media-Kanäle bespielt und für das Verbreiten von Parteithemen nutzt. Auch nutzt die FDP Social Media-Kanäle, um ihre Meinung zu tagespolitischen Themen abzugeben. Jedoch hat man nicht den Eindruck, dass die Kanäle dazu genutzt werden, um ein gemeinschaftliches Gefühl zwischen Parteianhängern zu schaffen. Es werden Diskussionen angeregt, aber nicht begleitet, die Beiträge sind selten kreativ. Es wird keine klare Social Media-Strategie sichtbar, die darauf hinweist, dass die FDP die Social Media-Kanäle nutzt, um den Wahlkampf im Social Web zu beeinflussen.

Zu den Linken liegt bisher keine ausführliche Analyse vor.

 

Weitere Informationen erhalten Sie hier.


2 Kommentare

  1. Tagesaktuelle Rankings aller deutschen Parteien bei Social Media bietet die Analyse- und Benchmarking-Plattform Pluragraph.de, einige Beispiele:

    Social-Media.Ranking aller deutschen Parteien: https://pluragraph.de/categories/parteien/combined_with/deutschland
    Sortiert nach Facebook: https://pluragraph.de/categories/parteien/combined_with/deutschland?only=facebook
    Sortiert nach Twitter: https://pluragraph.de/categories/parteien/combined_with/deutschland?only=twitter
    Sortiert nach Google+: https://pluragraph.de/categories/parteien/combined_with/deutschland?only=gplus

    Social-Media-Ranking aller Bundestagsabgeordneten: https://pluragraph.de/categories/mdb/
    Social-Media-Ranking der Bundestagsfraktionen: https://pluragraph.de/organisations/deutscher-bundestag

    Social-Media-Ranking aller auf Pluragraph.de gelisteter Politiker:
    https://pluragraph.de/categories/politiker

    Und weitere unzählige Rankings unter: http://www.pluragraph.de 😉

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