10. September 2013

ARD/ZDF-Onlinestudie 2013


Am 4. September wurden die Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie 2013 veröffentlicht. Insgesamt stellen sich jedoch nicht allzu viele Überraschungen ein. Die wichtigsten Ergebnisse in diesem Jahr: Der Erfolg mobiler Endgeräte führt zu einer enormen Zunahme der Nutzungsdauer von Online-Angeboten, die Nutzung von Bewegtbildern im Internet nimmt zu und fast die Hälfte aller Onliner ab 14 Jahren nutzen private Communitys. 

Bereits seit 1997 werden jährlich im Rahmen dieser Studie umfangreiche Daten zur Entwicklung und Nutzung der Onlinekommunikation erhoben. Dazu werden rund 1800 BürgerInnen ab 14 Jahren via Telefoninterview zu ihrem Nutzungsverhalten von Onlineangeboten befragt.

Grundsätzlich neue Erkenntnisse scheinen in diesem Jahr jedoch weitgehend auszubleiben. Bemerkenswert ist dennoch: Obwohl die Zahl der Internetnutzer kaum angestiegen ist (von 75,9% im Vorjahr auf 77,2%) lässt sich eine deutliche Zunahme der Nutzungsdauer von Onlineangeboten feststellen. Sprach man im vergangenen Jahr noch von ca. 133 Minuten, so surfen die Onliner in diesem Jahr ca. 169 Minuten täglich. Zurückzuführen ist dies auf die Zunahme mobiler Endgeräte und damit einer ortsungebundenen Nutzung (die Unterwegsnutzung stieg von 23% im Jahr 2012 auf 41% im Jahr 2013 an).

Einen solchen Anstieg in so kurzer Zeit habe ich noch bei keinem anderen Medium jemals erlebt.“ (Birgit van Eimeren, eine der beiden Autorinnen der jährlichen ARD/ZDF-Onlinestudie)

Die Mediennutzung scheint jedoch insgesamt zugenommen zu haben. Denn rechnet man das Zeitbudget von Off- und Onlinern zusammen, dann liegt die durchschnittliche Nutzungsdauer eines deutschen Bundesbürgers bei 108 Minuten täglich (2012 waren es noch 83 Minuten täglich). Eine allgemeine Umschichtung im Medienzeitbudget ist bisher aber nicht festzustellen. Der Wandel in diesem Bereich vollzieht sich derzeit vor allem bei den 14-29jährigen.

Daran schließt ein weiterer zentraler Bereich der Studie an: Die Nutzung von Bewegtbildern im Internet. Neben den zahlreichen Videoportalen ist der Konsum von Fernsehinhalten (linear oder zeitversetzt) im Netz ein wichtiger Aspekt. Zwar ist lange kein Wandel von der normalen Fernsehnutzung hin zu einer reinen Nutzung im Internet abzusehen, in der Zielgruppe der 14-29jährigen jedoch steht das Verhältnis zwischen klassischem Fernsehkonsum und der Nutzung im Internet 1:13. Diese Entwicklung ist aber nicht per se bedenklich, denn daraus ergeben sich für die klassischen Fernsehsender zugleich neue Chancen. Der Markentransfer von der Offline- in die Onlinewelt gelingt überwiegend sehr gut, wovon die klassischen Fernsehsender wiederum profitieren. Ein wichtiger Hinweis für den umkämpften Fernsehmarkt.

Einem ganz anderen Bereich widmet sich die ARD/ZDF Onlinestudie seit einiger Zeit unter der Überschrift „Aktive Beteiligung im Netz“. Durch einige Nachbesserungen wurde der Untersuchungsschwerpunkt in der Studie 2013 verändert und konzentriert sich nun vor allem auf soziale Netzwerke, die über eine Login-Funktion verfügen. Fast die Hälfte aller Onliner ab 14 Jahren nutzen private Communitys, deren Schwerpunkt vor allem auf Unterhaltung und privater Kommunikation liegt. Allerdings sucht jeder fünfte Nutzer im Rahmen der Communitys nach tagesaktuellen Nachrichten und nutzt damit diese Plattformen zu Informationszwecken. Facebook wird von 89% der Communitynutzer verwendet. Bemerkenswert ist die gestiegene Beliebtheit des Kurznachrichtendienstes Twitter, der mit einem Anstieg von 87% gegenüber dem Vorjahr und 3,89 Millionen Nutzern nun direkt hinter Facebook rangiert. Allerdings verhält sich der überwiegende Teil der Twitternutzer passiv.

Die für die politische Kommunikation spannende Frage ist vor allem, auf welche Angebote im Internet sich die Nutzung wie verteilt. Hierbei, so merken einige Stimmen an, sei die ARD/ZDF-Onlinestudie nicht ganz sauber in ihren Kategorien. Zurückzuführen sei dies auf das Problem der generellen Erfassbarkeit des dynamischen sozialen Raums, den das Internet darstellt. Zu differenzieren wer was wie im Internet nutzt böte allerdings aufschlussreiche Ergebnisse wie welche Zielgruppen wo zu finden und anzusprechen seien.

Letztlich zeigen die Ergebnisse einmal mehr: Ja, das Internet hat eine hohe Relevanz und ist in der modernen Medienlandschaft für die meisten relevanten Zielgruppen das zentrale Medium. Um die spezifischen Kommunikationsmöglichkeiten jedoch künftig wirklich zu verstehen und professionell nutzen zu können, bedarf es einer differenzierten Erhebung. Die Komplexität des Mediums stellt  nach wie vor eine Herausforderung dar.


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