18. September 2012

„Sozialer Einfluss ist der beste Weg, um die Wahlbeteiligung zu erhöhen“


In den USA haben Forscher der University of California in einem Experiment in Zusammenarbeit mit facebook untersucht, wie stark die soziale Beeinflussung von Online-Freunden ist und welche Auswirkungen der Netzwerk-Effekt auf die Wahlbeteiligung ausüben kann. Die groß angelegte Studie zeigt: Fotos enger Freunde machen den Unterschied.

Die Netzwerkanalyse wurde im Vorfeld der letzten US-Kongresswahlen im November 2010 durchgeführt und umfasst 61 Millionen amerikanische facebook– Mitglieder. Die User bekamen nach dem Einloggen bei Facebook die Nachricht „Heute ist Wahltag“ angezeigt. Sie konnten einen Button „Ich habe gewählt“ anklicken und Informationen zu Wahllokalen in ihrer Nähe abrufen. Fast alle Teilnehmer, nämlich 60,055 Millionen, sahen die Nachricht kombiniert mit Gesichtern von bis zu sechs zufällig ausgewählten Facebook-Freunden, die zuvor „Ich habe gewählt“ geklickt hatten. Bei 611.000 weiteren, zufällig ausgewählten Testteilnehmern fehlte jeglicher Hinweis auf das Klickverhalten der eigenen Freunde. Zusätzlich bekamen 614.000 Facebook-Mitglieder als Kontrollgruppe den Wahlappell überhaupt nicht angezeigt.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass der Wahlappell an sich keinerlei Wirkung auf das tatsächliche Wahlverhalten hatte. Die Facebook-Botschaft „Heute ist Wahltag“ erhöhte die reale Wahlbeteiligung erst, wenn sie mit den Gesichtern eigener Freunde kombiniert war. Ohne die Einblendung von Freunden war die Beteiligung genauso hoch wie bei der Kontrollgruppe, die keine Aufforderung zur Wahl beim Einloggen in Facebook bekommen hatte.

„Die soziale Beeinflussung macht den Unterschied“, erklärte James Fowler von der University of California erklärten daher im Wissenschaftsjournal „Nature“.

Nicht der Button „Ich habe gewählt“ habe Menschen motiviert, sondern die darunter gezeigte Sammlung von Fotos von Freunden. Im Schnitt habe ein Mitglied bei Facebook 150 Freunde, aber nur mit zehn Freunden bestehe ein intensiver Austausch auf der Plattform. Und diese engen Freunde seien die entscheidenden. Auch das Phänomen der Ansteckung, also der Beeinflussung der Freunde und der Freunde von Freunden, konnten die Forscher messen. Die Forscher schätzen, dass der mit Bildern von Freunden kombinierte Wahlaufruf 60.000 Menschen direkt dazu brachte, zur Wahl zu gehen. Deutlich mehr zusätzliche Wähler, nämlich 280.000, führen die Forscher aber auf die Ansteckung zwischen engen Freunden zurück.

„Der wichtigster Treiber für Verhaltensänderungen ist nicht die Nachricht, sondern das große soziale Netzwerk“, schlussfolgert Fowler.

Sinan Aral von der New York University geht noch einen Schritt weiter und hält laut  „Nature“ sogar gezielte Eingriffe in menschliche Netze für möglich, um positives Verhalten zu verstärken und negatives zu stoppen. Beispielsweise könne man versuchen, Menschen dazu zu bringen, gesünder zu leben:

„Die Erforschung sozialer Beeinflussung kann dramatische Auswirkungen auf Produkte, Politik und die öffentliche Gesundheit haben“, schreibt er in einem „Nature“-Kommentar.

 

Wenn Sie mehr über das Forschungsprojekt erfahren wollen, erhalten Sie 

Einblick in die Studie.


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