13. September 2012

Neue Studie zu politischem Engagement im Netz


Ist das Internet ein demokratisches Allheilmittel oder doch eher der Totengräber demokratischer Legitimation? Kompensiert das Internet jene Partizipationslücken, die sich in der wirklichen Welt auftun? Mit diesen Fragen setzt sich die neu veröffentlichte Studie „Zwischen Ernst und Unterhaltung – Motive politischer Beteiligung junger Erwachsener im Internet“ von Claudia Ritzi, Gary S. Schaal und Vanessa Kaufmann von der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg auseinander.

Ziel der Analyse war es herauszufinden, ob junge Menschen, die bei konventionellen politischen Verfahren eine geringe Partizipation aufweisen, sich stattdessen im Netz politisch engagieren. Zudem sollten die Motive von politischem Engagement im World Wide Web mit jenen in der „real world“ verglichen werden.
Dazu befragte das Hamburger Forscherteam auf Basis einer eigenen Online-Befragung 336 Facebook-Nutzer und -Nutzerinnen zwischen 21 und 35 Jahren bezüglich ihrer politischen Aktivität.

Als Antwort auf ihre Forschungsfrage geben Ritzi und Co. ein „weder-noch“ und machen deutlich, dass genauer differenziert werden muss, um die Bedeutung des Internets einschätzen zu können. Dazu wählen sie eine Trias zwischen der Intensität der Beteiligung, der Motivation zur Beteiligung und der normativen demokratietheoretischen Perspektive auf politische Beteiligung.

Eine vergleichende Analyse von politischen Aktivisten und politischen Netzaktivisten verdeutlicht, dass die beiden
Partizipationsformen – Beteiligung in der wirklichen Welt und im Internet – nicht wechselseitig ausschließend sind. Es darf laut der Forscher jedoch nicht davon ausgegangen werden, dass die Partizipation im Internet die Beteiligung in der wirklichen Welt substituieren könnte, denn demokratietheoretisch kann mehr Partizipation im Netz keinesfalls die Partizipationsdefizite in der realen Welt kompensieren.

In der von der Universität Hamburg diagnostizierten Hinwendung zur symbolischen Partizipation über das Internet liegt möglicherweise eine tragische Ironie. Vielleicht, so mutmaßen die Wissenschaftler, handelt es sich hierbei um eine politische Handlung, die kompatibel ist zum Prozess der zunehmenden Postdemokratisierung westlicher Demokratien: Politik wird durch die Bürger in westlichen Demokratien nicht mehr systematisch programmiert. Zwar existieren noch die demokratischen
Institutionen und Verfahren, doch bilden sie nur noch eine Fassade für Prozesse, die in ihrem Kern nicht mehr als demokratisch charakterisiert werden können.
Symbolische Partizipation könnte in dieser Perspektive die korrespondierende politische Handlung sein, die aus der zunehmenden Postdemokratisierung des politischen Prozesses resultiert.

 

Die gesamte Studie können Sie hier einsehen:


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