26. Oktober 2012

Der Twitter-Wahlkampf


Im US-Wahlkampf wird soviel „gezwitschert“ wie nie zuvor: Kein Schritt oder Kommentar von Amtsinhaber Barack Obama und seinem Herausforderer Mitt Romney, der nicht umgehend über Twitter aufgegriffen, parodiert und heiß diskutiert würde. Unter den Hashtags #bindersfullofwomen und #horsesandbayonetts gab es zu den TV-Debatten eine große Flut an Tweets.

Noch bei der vergangenen Wahl sei die Lage völlig anders gewesen, sagt Adam Sharp, Twitter-Manager für Politik und Nachrichten. Das werde vor allem mit Blick auf die jüngsten TV-Debatten deutlich: Hätten es die vier Redeschlachten von 2008 auf gerade einmal 500.000 Tweets gebracht, seien im laufenden Wahlkampf nach bislang drei Debatten bereits mehr als 20 Millionen gezählt worden. „Wir haben in diesem Zeitraum eine Explosion der Nutzerzahlen erlebt“, sagt Sharp.

Die wachsende Beliebtheit von Twitter stellt aus Sicht von Sharp eine Rückkehr zum Straßenwahlkampf früherer Jahre dar. „Danach ist es immer noch der beste Weg, gewählt zu werden, wenn ein Politiker einen Wähler persönlich fragt: ‚Kann ich Ihre Stimme haben?'“, erklärt er. Aber in den USA mit 300 Millionen Einwohnern sei das nur schwer umsetzbar. Soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook machen die direkte Kommunikation mit Politikern wieder möglich.

Anstatt die Fernsehdebatten der Präsidentschaftskandidaten mit Familie oder Freunden auf der heimischen Couch zu diskutieren, tauschen Menschen sich jetzt parallel im Internet mit anderen Nutzern aus. Sharp sieht Twitter als diese globale Couch: Hier könne man noch während der Debatten mit anderen Menschen im ganzen Land diskutieren.

Auch in Deutschland hält Twitter zunehmen Einzug in die Politik. Als Kanzlerin Angela Merkel und SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sich im Bundestag einen Schlagabtausch lieferten, schickten mehrere Abgeordnete Kommentare ins Netz. Noch sind die Nutzerzahlen jedoch winzig. Grade einmal vier Prozent der deutschen Internetnutzer sind auf Twitter aktiv. Zum Vergleich: In den USA sind es 15 Prozent.

„Großereignisse wie die Olympischen Spiele, große Unterhaltungsshows oder eben Wahlen machen Menschen auf Twitter aufmerksam. Dann schnellt die Zahl der Anmeldungen in die Höhe. Ich gehe davon aus, dass wir das auch in Deutschland beobachten werden“, prophezeit Sharp.

Dazu muss Twitter allerdings weitere Politiker vom Nutzen des Dienstes überzeugen – allen voran die Spitzenkandidaten.

 

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