1. September 2011

Die Rolle von Social Media in Revolutionen: Ein pessimistischer Blick


Die Rolle von Social-Media bei Revolutionen und Aufständen ist eines der Top-Themen seit Jahresbeginn gewesen. Aufstände in Tunesien und Ägypten, Proteste der Jugendlichen in englischen Großstädten. Und dabei immer die Frage: Welche Rolle spielen Twitter, Facebook und Messanger, wie der von BlackBerry, bei der Organisation der Ereignisse?

Die optimistische These lautet dann: Facebook und Twitter helfen dabei Menschen zu mobilisieren und gegen die Regierung zu revoltieren. Internet und Social Media sind demokratiefördernde Instrumente. Wael Ghonim, eine der Symbolfiguren der Proteste in Ägypten, hat es auf die einfache Formel gebracht: „f you want to liberate a society, just give them the Internet.“

Das sieht Navid Hassanpour von der Yale University im US-Bundesstaat Conneticut hingegen völlig anders. Hassanpur hat ein umfangreiches Paper vorgelegt, indem er zu dem Fazit gelangt, dass Social Media sogar hinderlich für Revolutionen und Aufstände sind und politische Mobilisierung verhindern. Seine umfangreichen mathematischen Aufbereitungen verdichtet er zu dem Ergebnis: Too many in too many places.

„Social media can act against grass roots mobilization. They discourage face-to-face communication and mass presence in the streets. Similar to more traditional and highly visible media, they create greater awareness of risks involved in protests, which in turn can discourage people from taking part in demonstrations“ (Hassanpour 2011: 4).

Face-to-Face-Kommunikation sei aber der Schlüssel für politische Mobilisierung. Und dieser werde durch Social Media erschwert.

Oder wie die New York Times es formuliert:

„To put it another way, all the Twitter posting, texting and Facebook wall-posting is great for organizing and spreading a message of protest, but it can also spread a message of caution, delay, confusion or, I don’t have time for all this politics, did you see what Lady Gaga is wearing?“

Weitere Informationen zu dem Paper von Navid Hassanpour unter anderem bei:
The New York Times: In Unsettled Times, Media Can Be a Call to Action, or a Distraction
National Review Online: New Evidence of Media’s Role in Arab Uprisings
CBS News: The Internet helps foster revolutions? Think again

Das Paper von Navid Hassanpour kann hier heruntergeladen werden.

Hassanpour, Navid (2011): Media Disruption Exacerbates Revolutionary Unrest: Evidence from Mubarak’s Natural Experiment. APSA 2011 Annual Meeting Paper. Available at SSRN: http://ssrn.com/abstract=1903351


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