15. August 2011

Nach den Unruhen in England: Social-Media-Verbot oder übertriebene Panikmache?


Letzte Woche haben die Unruhen in englischen Städten wie London, Manchester und Birmingham die Welt in Atem gehalten. Brennende Häuser, geplünderte Geschäfte, zerstörte Straßenzüge, Schlägereien zwischen Jugendlichen und Polizisten. Schreckliche Szenen, die auch deshalb so viel Aufmerksamkeit bekommen haben, weil viele bisher dachten, dass solche Ereignisse in einem Land wie Großbritannien nicht möglich seien. Wie nachhaltig die Aufstände der letzten Wochen wirklich sein werden in Bezug auf die politischen Folgen – von einer Reform der Polizei, einem wirklichen Angehen der gesellschaftlichen Probleme bei den Menschen mit geringem Einkommen und Migrationshintergrund bis zu einem Überdenken des strikten Sparkurses – kann heute noch nicht beantwortet werden.

Gleichwohl ist ein Aspekt der Unruhen in England auch für die politische Kommunikation in der Online-Welt relevant geworden, nämlich die Bedeutung und der Stellenwert von sozialen Netzwerken, wie Facebook, und die Kommunikation über den Kurznachrichtendienst Twitter, die es angeblich vielen Aufständischen erleichtert haben sollen sich schnell und fast in Echtzeit zu organisieren und damit häufig Vorsprung vor der eintreffenden Polizei zu erhalten.

Nicht erst seit letzter Woche wird den Social-Media-Plattformen eine Schlüsselstellung bei Aufständen und Revolutionen zugesprochen. Insbesondere die Ereignisse im Frühjahr in der arabischen Welt haben Euphoriker dazu veranlasst von einer „Facebook-Revolution“ zu sprechen. Doch die Bezeichnung ist umstritten, wie einige gut recherchierte Artikel bei Spiegel Online und auf Carta.info verdeutlichen.

Durch die Unruhen auf der Insel ist auch dort die Diskussion ausgebrochen, ob und wie man den Einfluss der Social-Media-Dienste begrenzen kann. Insbesondere der verschlüsselte Dienst BlackBerry Messenger (BBM) gerät dabei in den Fokus. Über den BlackBerry-Dienst wurden Plünderungen organisert wurden und Randalierer aufgerufen, sich an bestimmten Orten einzufinden. Nun überlegt Premier David Cameron ein Social-Media-Verbot. Personen, die via Facebook oder Twitter kriminelle Taten planen, künftig von der Nutzung ausgeschlossen werden. Ob dieser Schritt technisch überhaupt umzusetzen ist, bleibt fraglich. Zumindest hat er bei vielen Online-Aktivisten Kritik ausgelöst. Damit sei die freie Meinungsäußerung gefährdet. Man nähre sich der Zensur an.

In der politischen Elite des Landes scheint es Konsens zu sein den sozialen Netzwerken eine übergeordnete Bedeutung zuzumessen. Karen Buck, Parlamentsmitglied der oppositionellen Labour Party, ist der Ansicht – so wird sie im Guardian zitiert – dass die Nutzung der Social-Media-Dienste „essential“ war für die Ausbreitung und dramatische Zunahme der Aufstände.

Der Medienwissenschaftler Jonathan Cable von der Cardiff School of Journalism, Media and Cultural Studies sieht die Wichtigkeit der sozialen Netzwerke hingegen deutlich skeptischer. Im Gespräch mit politik-digital.de, dass die Rolle von Social Media im Zusammenhang mit den Protesten überbewertet wurde. Sie seien ein wichtiges Kommunikationsmittel, aber längst nicht das einzige.


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