25. August 2011

Diskussion um das Sperren von Social-Media-Sites in England


An dieser Stelle wurde ja bereits vor einer Woche über die Diskussion in der britischen Politik geschrieben, als Konsequenz aus den Unruhen in englischen Städten zukünftig bei weiteren Ereignissen dieser Art Social-Media-Kanäle, wie Twitter und Facebook, zu blockieren. Die Cameron-Regierung schreibt den zahlreichen Plattformen also eine immens hohe Bedeutung bei der Organisation der Aufstände in London, Birmingham und Manchester zu.

Die Diskussionen um eine Sperrung von Social-Media-Sites laufen noch. Am heutigen Donnerstag trifft sich Innenministerin Theresa May mit Vertretern von Facebook, Twitter und Research in Motion, jenes Unternehmen, das die BlackBerrys herstellt, mit dessen Kurznachrichtendienst sich viele Jugendliche untereinander zu den Unruhen verabredet haben sollen.

Aber war die Kommunikation über Twitter, Facebook und mit dem BlackBerry Messanger wirklich so relevant, wie es einige britische Politiker vermuten? Der Guardian hat in seiner heutigen Ausgabe eine umfassende Auswertung von Twitter-Meldungen während der Zeit der Unruhen veröffentlicht. 2,5 Millionen Tweets im Zeitraum vom 6.-10. August wurden ausgewertet und analysiert. Und zumindest für Twitter kann die Relevanz als eher gering bezeichnet werden. Die grafische Darstellung zeigt sehr eindrucksvoll, dass Twitter hauptsächlich genutzt wurde um sich über die Ereignisse während der Unruhen auszutauschen, darüber zu berichten. Die Anzahl der Tweets war vor dem Ausbruch der jeweiligen Unruhen äußerst gering und stieg erst rapide, als bereits die Häuser und Autos brannten, Geschäfte geplündert wurden. Damit ist die Behauptung, dass sich die Jugendlichen via Twitter zu den Unruhen verabredet haben, zumindest erstmal erheblich entkräftet.

Londons Bürgermeister Boris Johnson hat sich inzwischen auch gegen das Blockieren von Twitter und Facebook ausgesprochen. Noch bleibt abzuwarten, ob sich diese Haltung auch in der britischen Regierung durchsetzt. Entscheidend dafür sind auch die Gespräche von Innenministerin May heute Nachmittag.


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